Versicherungen

Einfach mal selbst bezahlen

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Michael Eiden

Wer sich bei Versicherungen auf eine Selbstbeteiligung einlässt, kann bei der Prämie eine ganze Menge sparen

Viele haben ihn in den vergangenen Wochen erhalten: einen Brief der privaten Krankenversicherung mit der Botschaft, dass es mal wieder teurer wird. Viele private Versicherer erhöhen zum ersten April 2013 ihre Beitragssätze – für Bestandskunden meist um zwei bis vier Prozent. Neukunden müssen mit teilweise deutlich teureren Tarifen rechnen als noch 2012. Als Grund nennt beispielsweise die DKV, dass im vergangenen Jahr mehr Leistungen bezahlt werden mussten.

Versicherten, die trotzdem ihre monatlichen Mitgliedsbeiträge senken wollen, bieten sich mehrere Möglichkeiten. Eine Stellschraube ist die Höhe des sogenannten Selbstbehalts. Dieser bezeichnet die Summe, die der Versicherte pro Jahr in jedem Fall selbst bezahlen muss, wenn er Medikamente benötigt oder ambulante Behandlungen in Anspruch nimmt.

„Vor allem für junge, gesunde Freiberufler lohnt es sich, einen Selbstbehalt von 300 bis 800 Euro pro Jahr zu vereinbaren“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Dadurch lasse sich der monatliche Beitrag zur Krankenversicherung deutlich absenken. Für chronisch Kranke oder Familien mit Kindern sei eine hohe Selbstbeteiligung aber nicht zu empfehlen. Festangestellte sollten ihre Selbstbeteiligung nicht höher als 300 Euro ansetzen.

Der Spareffekt gilt nicht nur für Personenversicherungen, auch bei vielen Sachversicherungen hilft eine Selbstbeteiligung dabei, Versicherungsbeiträge zu sparen. „Die Police erfüllt ihren Sinn vor allem bei Großschäden mit hohen Schadenssummen“, sagt Rudnik. Oftmals sei es empfehlenswerter, kleine Schäden bis 300 Euro aus eigener Tasche zu zahlen. Das hält den monatlichen Beitrag gering und freut den Versicherer. Durch Verträge mit Selbstbeteiligung sparen diese viel Geld: Denn ein Schaden von unter 100 Euro verursacht ein Mehrfaches der Schadensumme an Verwaltungskosten.

Der Versicherungsmakler Morgen und Morgen berechnet die Privathaftpflichtversicherung einer Familie mit einem 39-jährigen Versicherungsnehmer und einer Deckungssumme von fünf Millionen Euro: Ohne Selbstbehalt summiert sich der Beitrag bei einer Beispielversicherung auf 74 Euro pro Jahr. Vereinbart der Versicherte eine Selbstbeteiligung von 250 Euro, reduziert sich der Betrag um über 40 Prozent auf 42 Euro.

Risiko mit kleinen Kindern

Wer zu häufig Schäden meldet, riskiert zudem, dass die Versicherung den Vertrag aufkündigt. „Wurde man von seiner vorigen Haftpflichtversicherung gekündigt, ist das ein echter Makel“, sagt Rudnik. Viele Versicherer weigerten sich, einen zuvor gekündigten Kunden aufzunehmen. „Wer allerdings mehrere Kinder im schuldfähigen Alter – also älter als sieben Jahre – hat, sollte überprüfen, ob ein Vertrag ohne Selbstbeteiligung Sinn machen kann“, erklärt Rudnik. Wenn die Kinder älter seien und das Risiko von Haftpflichtschäden sinke, könne die Eigenbeteiligung ganz einfach wieder erhöht werden.

Entwickelt sich aus einem Sachschaden ein Streitfall vor Gericht, beispielsweise mit dem Nachbarn, kostet das meist viel Geld. „Bei einer Rechtsschutzversicherung spart eine Selbstbeteiligung verhältnismäßig viel Beitrag“, erklärt Susanne Meunier von der Stiftung Warentest. Eine Versicherung ruft für eine Rechtsschutzversicherung einer Familie mit 39-jährigem Versicherungsnehmer mit einer Selbstbeteiligung von 150 Euro beispielsweise eine Prämie von 210 Euro jährlich auf. Ohne Selbstbehalt steigt der Betrag nach Angaben der Versicherungsexperten Morgen und Morgen auf 300 Euro an. Andere Versicherungen bieten sogenannte fallende Selbstbeteiligungsmodelle an: Pro schadensfreies Versicherungsjahr reduziert sich der Selbstbehalt. Erst wenn der Versicherte die Rechtsschutzversicherung in Anspruch nimmt, muss er wieder die volle Selbstbeteiligung zahlen.

Doch nicht bei jeder Versicherung bringt eine Selbstbeteiligung Kostenvorteile. Die Stiftung Warentest rät dazu, bei Reiserücktritts- und Auslandsreiseversicherungen auf Tarife zurückzugreifen, die im Versicherungsfall auf eine Zuzahlung verzichten. „Es gibt Tarife mit guten Leistungen ohne Selbstbeteiligung, die nicht teurer sein müssen als Angebote mit Selbstbeteiligung“, sagt Meunier.

Was bei der privaten Krankenversicherung nur für bestimmte Personengruppen Geld spart, ist beim Abschluss einer Autoversicherung die Regel. Die Versicherung eines Mittelklassewagens einer Berliner Familie mit einer Selbstbeteiligung von 300 Euro in der Vollkasko spart im Vergleich zum Verzicht auf einen Selbstbehalt über 30 Prozent des Jahresbeitrags. Das entspricht laut topauto.de einer Prämienersparnis von bis zu 350 Euro im Jahr. Viele Autofahrer setzen ihre Selbstbeteiligung mit 150 bis 300 Euro allerdings sehr gering an. Steigert man die Eigenleistung im Schadensfall auf 500 Euro, lassen sich weitere zehn Prozent sparen.