Finanzierung

Deutsche Bank will vom Berliner Gründer-Boom profitieren

10.000 neue Firmenkunden gewann das Unternehmen im Jahr 2012. Nun stellt das Institut spezielle Teams für Start-ups auf

Ein klassisches Geschäft für ein Geldhaus dieser Größe ist es eigentlich nicht. Junge Gründer zählen nicht zur natürlichen Klientel der Deutschen Bank, Deutschlands einzigen Instituts von Weltrang. Risikofinanzierung für Start-ups ist das Geschäft von Venture-Capital-Fonds, die Technologie- und Internetunternehmen mit größeren Summen versorgen. Kredit gegen Zins – das läuft in der Frühphase eines Start-ups nicht. „Dennoch haben wir uns die Frage gestellt: Was heißt das für uns, wenn Berlin Gründerhauptstadt ist?“, sagt Harald Eisenach, Chef der Deutschen Bank in Berlin.

Seine Antwort klingt zunächst ziemlich banal: „Alles beginnt mit dem Konto, das eine Firma braucht.“ Gemeinhin wird die Deutsche Bank erst für Unternehmen einer gewissen Umsatzgröße interessant. Doch Internetgründungen können innerhalb von wenigen Monaten drastische Umsatzsprünge machen. Und da möchte die Deutsche Bank gern von Anfang an dabei sein. Also hat das Institut in Berlin Teams gebildet, die sich speziell um die Gründerszene kümmern. Auch Tarif-Rabatte für den vergleichsweise teuren Firmenkundenservice der Deutschen Bank stellt Eisenach in Aussicht.

Zudem, sagt Eisenach, wolle man dabei helfen, Netzwerke zu spinnen. Beispielsweise zwischen vermögenden Kunden und kapitalbedürftigen Jungunternehmern. Die Aufmerksamkeit der Deutschen Bank für die Gründerszene ist ein weiterer Beleg für die Bedeutung dieses Phänomens.

Zumal es bei vermögenden Kunden des Instituts eine steigende Nachfrage nach Beteiligungen an solchen Unternehmen gebe, wie Anke Sahlén erzählt. Ihr Titel lautet „Leiterin Deutsche Asset & Wealth Management Region Berlin“. Vereinfacht gesagt: Sie leitet in der Hauptstadt das Geschäft mit reichen Privatkunden. Diese sind in Zeiten niedriger Zinsen und vager Aussichten für den Euro-Währungsraum genauso verunsichert wie Kleinsparer – und darum auch zunehmend daran interessiert, alternative Investitionsmöglichkeiten zu finden.

Insgesamt macht das Geschäft in der Hauptstadtregion der Deutschen Bank immer mehr Spaß. Berlins Wirtschaft wächst schneller als die Deutschlands insgesamt. Zehntausende Menschen – und damit potenzielle Bankkunden – ziehen jedes Jahr neu hierher, und die rasant steigende Nachfrage nach Häusern und Wohnungen lässt ohnehin jeden Immobilienfinanzierer jubeln.

Diese Tendenzen spiegeln sich auch im Jahresergebnis der Bank für 2012. Das Anlagevolumen, die Summe aller Giro- und sonstigen Konten der 640.000 Privatkunden, wuchs um gut zehn Prozent auf fast zwölf Milliarden Euro. Die Summe der Baufinanzierungen stieg um 13 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Den Gründer-Boom spürte die Abteilung Firmenkunden. 10.000 neue gewerbliche Kunden konnte die Bank in Berlin gewinnen. Mehr als 95.000 Firmen werden von der Deutschen Bank aktuell betreut.

Insgesamt beschäftigt das Geldhaus in Berlin 4200 Mitarbeiter, rund 100 mehr als ein Jahr zuvor. 53 Filialen gibt es derzeit, und daran soll sich absehbar nichts ändern – zumindest bei der Deutschen Bank direkt. Bei der Tochter Berliner Bank wird das Filialnetz in diesem Jahr kräftig zusammengestrichen. 17 Niederlassungen sollen geschlossen werden. Zudem müssen fast 150 Mitarbeiter gehen.