Justiz

Durchsuchung bei Entwickler von Windparks

Windreich-Manager stehen unter Betrugsverdacht

Der Windpark-Entwickler Windreich ist ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft geraten. Die Anklagebehörde teilte am Mittwoch mit, sie ermittele gegen „fünf teils ehemalige, teils amtierende Vorstandsmitglieder einer aktiennotierten Firma, die mit regenerativen Energien arbeitet“. Beamte des Landeskriminalamts hatten die Hauptverwaltung des Unternehmens sowie vier Privatwohnungen durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt.

Windreich ist eigenen Angaben zufolge der größte deutsche Planer von Windparks in der Nordsee. Dazu zählen die genehmigten Projekte Deutsche Bucht mit 273 Megawatt Gesamtleistung, MEG 1 mit 400 Megawatt und Global Tech 1 mit ebenfalls 400 Megawatt Leistung. Trotz der Beteiligung von Windreich laufe das Projekt mit 80 Anlagen nordwestlich von Borkum planmäßig weiter, sagte eine Sprecherin von Global Tech in Hamburg.

Sechs weitere Offshore-Parks von Windreich mit 2400 Megawatt sind im Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen mehrere Windparks an Land. Das Unternehmen spricht auf seiner Internetseite von einem Gesamtprojektvolumen von mehr als einer Milliarde Euro.

Der Vorstandsvorsitzende Willi Balz und der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) bestätigten, dass gegen sie ermittelt werde. Döring saß bis vergangenen Sommer im Vorstand der Firma. Die Staatsanwaltschaft wirft den Managern Bilanzmanipulation, Kapitalanlagebetrug, Marktpreismanipulation und Kreditbetrug vor. In den Jahren 2010 und 2011 seien Forderungen und Umsätze in Millionenhöhe ausgewiesen worden, die nicht vollständig durch reale Geschäfte gedeckt waren, hieß es.

Ein besonderes Augenmerk der Staatsanwaltschaft liegt auf dem Verdacht des Kapitalanlagebetrugs, der Marktpreismanipulation und des Kreditbetrugs. Windreich hat zwei Anleihen im Volumen von insgesamt 125 Millionen Euro im Mittelstandssegment der Stuttgarter Börse ausgegeben. Am Montag waren die beiden Anleihen vom Handel ausgesetzt gewesen, wie ein Sprecher der Börse Stuttgart bestätigte. Windreich hatte die Anfang März fälligen Zinsen für die Papiere erst mit zwei Tagen Verzögerung ausgezahlt, da die Mittel anderweitig disponiert werden mussten, wie Balz in einem Brief an die Anleihezeichner erklärte. Die Firma Creditreform hatte das Rating von Windreich ausgesetzt, danach habe es Informationsbedarf an Banken gegeben.