Unternehmen

Tetra Pak will Standort in Berlin schließen

Harter Wettbewerb und sinkende Verkaufszahlen: Insgesamt 195 Mitarbeiter sollen zum Jahresende ihren Job verlieren

Für die Mitarbeiter im Tetra-Pak-Produktionswerk in Heiligensee begann die Woche mit ebenso überraschenden wie schlechten Nachrichten. Die Geschäftsleitung des schwedisch-schweizerischen Verpackungsherstellers informierte die 195 Mitarbeiter am Montag Nachmittag bei einer Betriebsversammlung darüber, das Werk bis zum Jahresende schließen zu wollen. „Wir haben in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Nachfrage für Getränkeverpackungen um rund 40 Prozent verkraften müssen“, sagte Heike Schiffler, Mitglied der deutschen Tetra-Pak-Geschäftsleitung, der Berliner Morgenpost.

Die Zahlen verdeutlichen die schwierige Lage des Unternehmens: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Produktion von Verpackungen von 7,5 auf 4,7 Milliarden verringert. Die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland hingegen ist im selben Zeitraum stabil geblieben. Die logische Konsequenz: Überkapazität, sprich zu viele Mitarbeiter für zu wenig Arbeit. „Das schwächt uns im Wettbewerb enorm“, so Schiffler. Die Folge sei, einen der beiden Produktionsstandorte in Deutschland zu schließen. Dass es nicht das größere Werk im hessischen Limburg getroffen hat, habe technische Gründe. In Berlin könne lediglich der deutsche Markt bedient werden, und man habe hier keine Reserven, falls an einem anderen europäischen Standort Hilfe benötigt wird. Limburg dagegen habe mit zwei Produktionslinien mehr Kapazitäten und könne bei einem Produktionsausfall in anderen Werken aushelfen.

30 neue Arbeitsplätze in Europa

Betroffen sind in Berlin sowohl die Mitarbeiter in der Produktion als auch im Management. Die Belegschaft habe „erstaunlich gefasst gewirkt“, sagte Schiffler der Morgenpost. Jetzt werde man sich mit dem Betriebsrat besprechen, um die weiteren Schritte zu planen, einen „überzeugenden Sozialplan vorzulegen und die Mitarbeiter nach Kräften zu unterstützen“, so Schiffler.

Die Aussichten für die 195 Mitarbeiter sind denkbar schlecht. In allen europäischen Tochtergesellschaften sollen im kommenden Jahr nur 30 neue Arbeitsplätze entstehen, auf die sie sich bewerben können. Tetra Pak hat in Europa unter anderem Standorte in Italien, Frankreich, Griechenland, Finnland und Portugal. Wie realistisch es ist, dass Mitarbeiter dort beschäftigt werden, ist fraglich.

Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer hat die Nachricht über die geplante Schließung mit Bedauern aufgenommen und noch am selben Tag im Wirtschaftsausschuss Unterstützung signalisiert. Es handele sich bei Tetra Pak um technisch hoch qualifizierte Mitarbeiter, die in Berlin einen neuen Job finden sollen. „Unsere Wirtschaftsförderung wird sich dafür einsetzen, bei ansiedelnden Unternehmen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Tetra Pak zu werben“, sagte Yzer im Ausschuss. Auch für die zwölf Jugendlichen, die derzeit in dem Berliner Werk ausgebildet werden, soll schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden. Dass das Werk in Reinickendorf erhalten werden kann, scheint keine Option zu sein. Yzer sagte, dass das Unternehmen angekündigt habe, erhaltene Fördermittel des Landes zurückzuzahlen.

Dass der Mehrweganteil in Deutschland zuletzt konstant gestiegen ist, macht es dem Einwegkarton-Produzenten zusätzlich schwer. Tetra Pak wird daher zukünftig in die wachsenden Einweg-Märkte in der Türkei und Russland investieren und dort lokale Produktionen planen.

Obendrein hat der Verpackungskonzern in Deutschland zunehmend mit Konkurrenz zu kämpfen. Das chinesische Unternehmen „Greatview“ beispielsweise hat erst im vergangenen Oktober in Halle ein neues Werk für Getränke-Kartonverpackungen eröffnet und Tetra Pak mit einer Kapazitätsplanung von rund vier Milliarden Verpackungen im ersten Jahr offen den Kampf angesagt.