Lebensmittelskandal

Knapp 4600 Landwirtschaftsbetriebe wurden mit Giftmais beliefert

Minister beklagt späte Lieferung von Listen zum Maisvertrieb

Die Zahl der von den Giftmais-Lieferungen aus Serbien betroffenen Landwirtschaftsbetriebe ist deutlich angestiegen. Das in dem Getreide gefundene Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 greift vor allem die Leber an und ist krebserregend. Es reichert sich in Kuhmilch an. Allerdings wurden in Milch-Proben bislang keine Überschreitungen der gültigen Grenzwerte festgestellt.

Nach derzeitigen Stand sind 4467 Betriebe in Niedersachsen und damit rund 900 mehr als bislang bekannt von den Mais-Lieferungen betroffen, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Wochenende mit. Hinzukommen 111 Betriebe in Nordrhein-Westfalen. Grund für den Anstieg in Niedersachsen seien unter anderem neue Erkenntnisse infolge einer Nachlieferung von Vertriebslisten. Ursprünglich hatte das Ministerium gar von 6457 Betrieben gesprochen. Nach einem Abgleich von Doppelnennungen wurde die Zahl dann aber auf 4467 korrigiert.

Das Ministerium erklärte zudem, bislang seien 79 Proben Milch amtlich untersucht worden, „Alle vorliegenden Proben konnten mit negativen Ergebnissen abgeschlossen werden. Die Milch ist nicht über dem Grenzwert mit Aflatoxin belastet“, hieß es. Von den bislang 19 untersuchten Futtermittel-Proben seien aber acht positiv gewesen. Auch könne nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Höchstgehaltsüberschreitung in Lebern und Nieren geschlachteter Tiere gebe. Die Frage werde derzeit geprüft. Eine Vermarktung dieser Innereien sei ohne entlastende Untersuchungsbefunde nicht zulässig.

Der niedersächsische Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne) zeigte sich verärgert über die späte Lieferung von Vertriebslisten, die teils erst am Freitagnachmittag eingegangen seien: „Die verzögerte Zustellung zeigt, dass die Zusage der Wirtschaft, Daten im Rahmen der Verfügbarkeit innerhalb kürzester Zeit vorzulegen, nicht funktioniert.“ Die Futtermittelunternehmer seien angewiesen gewesen, ihre Listen bereits zum 26. Februar zu liefern. Meyer sprach sich im „Focus“ für mehr staatliche Kontrollen aus. Die Kosten dafür müsse aber die Agrarindustrie tragen.

Nach Betrug mit Pferdefleisch und Bio-Eiern war mit verseuchtem Futtermais der dritte Nahrungsmittelskandal binnen weniger Wochen bekanntgeworden. Niedersächsische Futtermittelhersteller haben demnach 10.000 Tonnen verseuchten Mais an Bauernhöfe in Deutschland und den Niederlanden geliefert. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat den Herstellern von Futtermitteln vorgeworfen, frühzeitige Hinweise auf Verunreinigungen ignoriert zu haben.