Energie

Klimaziele verteuern Autos um 3600 Euro

Neue Studie: EU-Vorgaben zum C02-Ausstoß belasten Industrie und Verbraucher

Die Klimaziele der EU werden die Kosten von Neuwagen erheblich treiben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Ingenieuren des Instituts für Kraftfahrzeuge (IKA) an der TH Aachen. Das Ziel, ab 2020 den Ausstoß von Kohlendioxid auf im EU-Durchschnitt 95 Gramm pro Kilometer zu begrenzen, sei unter den realistischen Annahmen „nur sehr schwierig“ einzuhalten, heißt es in einer Studie des IKA, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Wenn der Wert aber erreicht werden soll, und darauf pocht der europäische Gesetzgeber, dann „müssten sich Anschaffungskosten von 2800 bis 3600 Euro (Marktpreis) amortisieren“.

Der Betrag liegt deutlich höher als in den Annahmen der EU-Kommission. Die für die Klimapolitik zuständige Kommissarin Connie Hedegaard geht davon aus, dass allein durch seltenere Stopps an der Zapfsäule die höheren Anschaffungskosten vollständig auszugleichen sind. Dem widersprechen die Aachener Ingenieure deutlich: Sie gehen davon aus, dass in einem realistischen Szenario nicht mehr als 1900 Euro – über die gesamte Laufzeit eines Autos von etwa sechs Jahren – durch geringeren Kraftstoffverbrauch wieder eingespielt werden können.

Nur eine kleine Gruppe eingeweiht

„Die Differenz entspricht der Mehrbelastung für die Endkunden“, heißt es in dem Bericht. Das heißt: Bis zu 1700 Euro müssten entweder die Hersteller tragen, indem sie ihre Produkte zu deutlich schwächeren Gewinnmargen in den Markt drücken – oder der Autokäufer würde mit Mehrkosten belastet. „Ersteres könnte sich nachteilig auf die Innovations- und Investitionsbereitschaft auswirken“, fürchtet das Wirtschaftsministerium, das die Studie in Auftrag gegeben hat. Auch die zweite Option, den Kunden zu Investitionen in saubere Technologien zu zwingen, ohne dass er an den Betriebskosten sparen könnte, birgt Gefahren: Es würde die Nachfrage dämpfen, fürchtet das Ministerium.

Der Bericht wurde nun einer kleinen Gruppe von Europaabgeordneten vorgestellt. „Das Langfrist-Ziel von 95 Gramm pro Kilometer ist technisch machbar, aber eine erhebliche Belastung für die Verbraucher und die Industrie“, sagt Werner Langen (CDU) nach der Präsentation. Sein Parteifreund Thomas Ulmer, der für die Richtlinie zuständige Verhandlungsführer des Europaparlaments, hält den Mehraufwand für Autokäufer „gerade noch vertretbar“ – so viel koste etwa ein Schiebedach in der Liste der Extras, vergleicht er. Der Bericht stützt nach seiner Auffassung seine Kritik an der Initiative der EU-Kommission aus dem vergangenen Sommer. Denn laut den Ergebnissen der Studie kann der Grenzwert nur erreicht werden, wenn der Anteil von Autos mit alternativen Antrieben, etwa Elektro-Antrieben, schnell steigt – und sei es nur rechnerisch.

Bevorzugte Anrechnung

Ulmer fordert, was auch die Bundesregierung will: eine bevorzugte Anrechnung besonders emissionsarmer Fahrzeuge. Hersteller sollen etwa jedes verkaufte Elektroauto mehrfach auf ihren Flottenwert anrechnen dürfen. „Die Ergebnisse der Studie unterstützen in eindringlicher Weise die Forderungen der Bundesregierung mit Blick auf den Regulierungsvorschlag der Europäischen Kommission“, erklärt das Bundeswirtschaftsministerium. Die Kommission nämlich will nur eine kleine Zahl von Elektroautos überhaupt anrechnen und auch die nur mit einem geringeren Faktor multiplizieren, als das die Bundesregierung fordert.

„Politik sollte neue Technologien fördern, aber sie kann ihren Markterfolg nicht erzwingen“, sagt auch der FDP-Europaabgeordnete Holger Krahmer. „Schon gar nicht sollte sie Technologien, die heute nicht für den Massenmarkt reif sind, vorschreiben.“ Deshalb sei die Mehrfachanrechnung ein richtiges Instrument. Er warnt davor, die Industrie zu überfordern – und bezieht sich dabei nicht auf die wegen ihrer im Vergleich schweren Flotten oft als Umweltsünder gescholtenen deutschen Hersteller: „Niedrige C02-Ausstöße im Flottendurchschnitt sind nicht gleichbedeutend mit Markterfolg“, sagt Krahmer. Die „Champions beim absoluten C02-Ausstoß“ in Europa, Fiat aus Italien und PSA aus Frankreich, seien die mit den größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Das Ziel der EU-Regulierung ist es, den Ausstoß des Klimagases C02 im Durchschnitt der in der EU zugelassenen Neufahrzeuge bis 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer zu senken. Heute liegt er nach Angaben der EU-Umweltagentur bei 136 Gramm. 130 Gramm im Jahr 2015 ist die Vorgabe der heute geltenden EU-Regulierung. In Europa gelten strengere Grenzwerte als in fast allen anderen Wirtschaftsräumen der Welt.

Japan will bis 2020 den Ausstoß auf 105 Gramm begrenzen, China bis zum selben Jahr auf 117. Dennoch gibt es Stimmen, die fordern, bereits heute eine noch weitergehende Gesetzgebung anzupacken. Von höchstens 70 Gramm etwa ist die Rede. Die Obfrau des Umweltausschusses in der C02-Regulierung fordert das, eine britische Liberale.