Umwelt

Altmaier zelebriert die Energiewende als Lustprinzip

Umweltminister spricht vor Unternehmern in der IHK

Oldenburger Grünkohlkönig ist er am Abend zuvor geworden. Nach den Andeutungen, die Peter Altmaier über diese Veranstaltung in der niedersächsischen Landesvertretung macht („mein Zustand ist lamentabel“), muss er einen mächtigen Kater haben. Merkt man dem Bundesumweltminister aber nicht an, als er um acht Uhr morgens in Charlottenburg bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) ankommt. Altmaier ist mit seiner barocken Statur einer der letzten Politiker, die ihren Körper nicht der Marter eines Marathonlaufs unterziehen. Dafür ist er eine lebensfrohe, rhetorisch beschlagene, nun ja, Rampensau. Er weiß, was er sagen muss, damit man ihm zuhört.

Für seine Visite bei der IHK hat Altmaier, wie er sagt, „für Berlin etwas mitgebracht“. Die Hauptstadt sei doch der ideale Standort für ein „Haus der erneuerbaren Energien“. Dort könnten all die Technologien für die Energiewende präsentiert werden. Mit Details wie Konzept, genauem Ort und Finanzierung hält sich Altmaier erst einmal nicht auf. Dafür hat er schon ein Geschäft im Sinn: „Wenn der Klaus Wowereit meiner Strompreisbremse zustimmt, kriegt Berlin das Haus der Energiewende“, sagt Altmaier.

Das ist das Prinzip Peter Altmaier: Bildhafte Begriffe prägen (Strompreisbremse) und dafür trommeln. Der Jurist aus dem Saarland versprüht geradezu unbändige Lust, aus dem überkomplexen Thema Energiewende mittels deutlicher Sprache Kapital zu schlagen. Um den Preisanstieg beim Strom zu drosseln, hat Altmaier unlängst angekündigt, Privilegien zu kürzen, etwa bei energieintensiven Betrieben, die weitgehend von der Umlage für Ausbau und Betrieb erneuerbarer Energien befreit sind. Sonst könnte es dieses Jahr noch teurer werden. „Dann wächst die EEG-Umlage um 30 bis 40 Prozent und der Strompreis um zehn Prozent.“

Kein schlechter Schachzug, um im Jahr der Bundestagswahl die Opposition beim Thema Strompreis vor sich herzutreiben. Ähnliches macht er beim Thema Fracking, jener neuen, umstrittenen Fördermethode, mit der Erdgas aus tiefen Gesteinsschichten gelöst wird. Seine Übereinkunft mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) über die Auflagen für Fracking deutet Altmaier als Bremse für die Fördermethode. Solange mögliche Risiken nicht ausgeschlossen werden könnten, „bin ich gegen diese Art, Gas zu fördern“. Aber im Übrigen, sagt Altmaier, sei er nicht, wie einige mutmaßten, für eine schwarz-grüne Koalition im Bund. „Wir haben mit der FDP schon unseren Tanzpartner.“