Verbraucher

Keine Köttbullar mehr in Deutschland

Skandale um Pferdefleisch und Bioeier: Ikea nimmt die Hackbällchen aus dem Verkauf. Laserpistole der TU Berlin hilft, Proben zu untersuchen

Jetzt hat Ikea auch in Deutschland den Handel mit seinen beliebten Hackfleischbällchen Köttbullar eingestellt. „Es ist in den Produkten in unseren deutschen Märkten weiterhin kein Pferdefleisch entdeckt worden. Ikea hat aber beschlossen, europaweit einheitlich zu verfahren“, erklärte eine Sprecherin.

Die schwedische Möbelkette hatte beschlossen, den Köttbullar-Verkauf in ihren Restaurants und Shops in 24 europäischen Ländern zu stoppen, nachdem in Tschechien Pferdefleisch in den angeblich aus Rindfleisch bestehenden Hackbällchen entdeckt worden war. Ikea verkauft in seinen Möbelhausrestaurants die Fleischbällchen-Gerichte. Zudem hat die Kette ihren Verkaufsschlager auch als Tiefkühlkost für zu Hause im Angebot. Die Fleischbällchen werden von der Firma Dafgård hergestellt. Das Unternehmen erklärte, man habe „bei 320 in den letzten drei Wochen durchgeführten Tests“ keine Spuren von Pferdefleisch entdeckt.

Kontrollen bei Ketten verbessern

Der Kölner Einzelhändler Rewe ist bei den Konsequenzen aus dem Pferdefleischskandal schon einen Schritt weiter: Das Unternehmen kündigte an, bei den Eigenmarken der Rewe-Supermärkte und der Penny-Discounter künftig nur noch Rindfleisch deutscher Herkunft zu verwenden. In der Branche wurde allerdings bereits Skepsis laut, ob der Rewe-Vorstoß der richtige Weg sei. „Dadurch, dass sie künftig nur noch Rindfleisch aus Deutschland verwenden wollen, lösen sie doch das Problem nicht. Betrug kann es auch innerhalb von Deutschland geben“, sagte ein Insider. Der Königsweg sei stattdessen, die Kontrollen zu verbessern – auch bei den Handelsketten. Laut Rewe-Mitteilung beginnt die Umstellung auf das deutsche Rindfleisch „sofort bei denjenigen Produkten, die vor Kurzem aus den Regalen genommen wurden“.

Derweil soll eine Erfindung aus Berlin helfen, Pferdefleisch in Fleischproben innerhalb von Sekunden zu erkennen. Eine an der Technischen Universität entwickelte Laserpistole identifiziert verschiedene Fleischsorten wie Schwein, Rind, Pute und Huhn. Andere Sorten wie Pferdefleisch werden von der „Raman-Laserpistole“ als Fremdfleisch angezeigt. Die Laserpistole wurde in dem mit drei Millionen Euro vom Bildungsministerium geförderten Projekt „FreshScan“ entwickelt. Sie fand bereits während des „Gammelfleisch“-Skandals 2007 Verwendung.

Im Skandal um möglicherweise falsch deklarierte Eier hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch die Informationspolitik der Behörden kritisiert. Es sei „nicht hinnehmbar“, dass den Verbrauchern über Jahre nicht mitgeteilt worden sei, dass falsch deklarierte Eier im Handel seien, sagte Foodwatch-Lebensmittelexpertin Anne Markwardt am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. Die Kunden hätten vermutlich „zu viel bezahlt für Eierprodukte, die nicht den Vorgaben entsprachen“. Und Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) sagte, es habe ein differenziertes System der Verdeckung und Verschleierung gegeben.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern gegen diverse Betriebe wegen mutmaßlichen Betrugs ermitteln. Die Firmen sollen Vorschriften zur Haltung von Freiland- und Biolegehennen systematisch verletzt haben, sie hätten ihre Eier nicht unter diesen Bezeichnungen in den Handel bringen dürfen. Die Ermittlungen laufen seit 2011.