Verbraucher

Pferdefleisch in 34 Lebensmittelproben

Drei Funde in Berlin, keine in Brandenburg. Abgeordnetenhaus debattiert Skandal

Die deutschen Behörden entdecken immer mehr undeklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln. Bisher seien 34 von 485 amtlichen Proben positiv gewesen, sagte Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) am Mittwoch am Rande einer Sitzung des Bundestags-Verbraucherausschusses in Berlin. In Berlin wurden drei Proben positiv getestet. In Brandenburg ist bislang kein Pferdefleisch in Fertigprodukten nachgewiesen worden. Die ersten sechs amtlich untersuchten Proben seien negativ ausgefallen, teilte das Verbraucherministerium am Mittwoch in Potsdam mit. „Dennoch können wir noch keine Entwarnung geben, weitere Proben werden analysiert“, sagte Ministerin Anita Tack (Linke). Derzeit liegen dem Landeslabor Berlin-Brandenburg laut Ministerium insgesamt 18 Proben vor, die auf Pferde-DNA untersucht werden.

Als Erstes wurden nach Ministeriumsangaben Produkte untersucht, bei denen es konkrete Hinweise gab. Das Ministerium war von Nordrhein-Westfalen informiert worden, dass insgesamt drei Lager Lasagne mit nicht deklariertem Pferdefleisch erhalten hatten. Rund 22.500 Packungen Tiefkühl-Lasagne Bolognese wurden vorsorglich sichergestellt.

In Brandenburg sind laut Ministerium nach derzeitigem Stand drei Betriebe betroffen. Der Konservenhersteller Dreistern in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) hat die von ihm produzierten Chargen Rindergulasch („540g Omnimax“, Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2015) zurückgerufen, nachdem das Unternehmen selbst darin Spuren von Pferde-DNA gefunden hatte. Das Ergebnis von zwei amtlichen Stichproben sei jedoch negativ gewesen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Weitere Proben würden noch untersucht.

Nach Angaben des Ministeriums bleibt die Produktion von Rindergulasch in Neuruppin so lange vorsorglich unterbrochen, bis geklärt ist, wie es zu Verunreinigungen mit Pferdefleisch kam. Außerdem habe die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG ihre eigenen Kontrolluntersuchungen verstärkt. Die Firma hatte sechs Lieferanten – vier deutsche, ein belgisches und ein niederländisches Unternehmen. Das Unternehmen sieht sich als Opfer von Etikettenschwindel.

Der Skandal beschäftigt an diesem Donnerstag auch das Berliner Abgeordnetenhaus. Auf Antrag der rot-schwarzen Regierungsfraktionen debattieren die Abgeordneten darüber, welche Maßnahmen der Senat bisher zur Aufklärung des Betrugsskandals unternommen hat. In Berlin wird nach Angaben von Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) in Stichproben weiter gesucht, ob sich in Fertiggerichten Pferdefleisch befindet.

Bundesministerin Aigner betonte die Verantwortung des Handels für die Qualität der Produkte. Die Handelskette Rewe wies Kritik an mangelnden Qualitätskontrollen der Branche zurück. „Die Unternehmen des Handels machen heute schon hundertfach mehr eigene Kontrollen als die Lebensmittelbehörden“, sagte Rewe-Vorstand Manfred Esser der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der Handel habe erhebliche wirtschaftliche Schäden und Rufschaden infolge von Betrugsfällen. Esser nannte es erschreckend, dass „beinahe reflexartig“ mit Schuldzuweisungen an den Handel reagiert werde, bevor die Politik alle Möglichkeiten der Aufklärung ausgeschöpft habe.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), nannte es überlegenswert, dass die Wirtschaft einen Geldtopf zur Mitfinanzierung von Kontrollen einrichtet. Die SPD kritisierte, Aigners Krisenplan enthalte vor allem Prüfaufträge. Nötig seien rechtliche Schutzvorschriften für Mitarbeiter, wenn sie Lebensmittelskandale aufdeckten, forderte die SPD-Verbraucherpolitikerin Elvira Drobinski-Weiß.