Börse

Die große Party ist vorbei

Nach dem Finanzskandal um die Anlagefirma S&K beginnt Jagd auf Millionen der Anleger

Die Masche ist nicht neu, aber sie funktioniert immer noch. Dies zeigt der vermeintliche Millionenbetrug der Frankfurter Immobiliengesellschaft S&K an Tausenden Anlegern. Als Erstes braucht man eine gute Geschichte, die am Telefon schnell erzählt werden kann und leicht verfängt: „Sie haben angesichts der Euro-Krise doch bestimmt auch Angst um Ihr Geld? Viele Experten behaupten, eine Inflation wie in den 1930er-Jahren ist unvermeidlich“, könnten die einleitenden Worte der Finanzberater gewesen sein. „Dann ist Ihr Geld weg, es sei denn, Ihr Vermögen steckt in Immobilien.“ Das passende Produkt hatte er mit einem geschlossenen Fonds parat, einen verlockenden Zinssatz mit zwölf Prozent pro Jahr auch. Und dann gab es noch einen Namen, der Vertrauen schafft. „Deutsche S&K Sachwerte Nr.2 GmbH & Co. KG“, so heißt der Fonds, mit dem die S&K-Gründer und ihre Geschäftspartner bis zuletzt auf Kundenfang waren. In „Sachwerte“ legen viele ihr Geld gerne an, zumal in „Deutsche Sachwerte“.

„Die Jungs haben aus ihrer Sicht vieles richtig gemacht“, sagt Anlegeranwalt Klaus Nieding von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth. Mit Jungs meint Nieding vor allem die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller. Sie hätten, so Nieding, halt nur nicht mit dicken Lamborghinis um die Häuser fahren und ausschweifende Partys mit leicht bekleideten Frauen schmeißen dürfen. Seit Monaten kursierten diese Bilder im Internet. Verbunden mit Geschichten, in denen die Werthaltigkeit der mit dem Geld der Anleger erworbenen Immobilien infrage gestellt wurde. Von geschönten Gutachten war die Rede, die „Wirtschaftswoche“ berichtete außerdem über an Familienangehörige übertragene Objekte.

Am Dienstag schlug die Staatsanwaltschaft bundesweit mit 1200 Ermittlungsbeamten zu. Sechs Verdächtige wurden verhaftet. Zu den insgesamt 50 Beschuldigten sollen auch Rechtsanwälte und Notare gehören. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem über Jahre planmäßig und groß angelegten Betrug, einem Schneeballsystem. Dabei handelt es sich um ein Standardinstrument von Finanzbetrügern. Wer zu den Investoren der ersten Stunde zählt, kann die versprochenen Renditen durchaus auch bekommen. Aber nur deswegen, weil neue Anleger Geld in das System stecken. Irgendwann ist kein Geld mehr da. Das System implodiert. Das Geld der Anleger ist verloren.

Mit der Razzia hat die Jagd nach dem Geld der Anleger begonnen – nicht nur durch die ermittelnden Beamten, die Konten und andere Vermögenswerte in einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro sperren wollen. Bei den Durchsuchungen wurden bislang allerdings nur 2,5 Millionen Euro an Bargeld, Schmuck und andere Wertsachen sichergestellt. Anlegeranwälte setzen sogar Detektive für die Suche nach Vermögenswerten ein.

Mit dem schillernden Fall S&K gerät einmal mehr eine Produktgruppe in Verruf: die der geschlossenen Fonds. „S&K zeigt erneut, dass diese Anlageklasse besonders anfällig für Betrügereien ist“, sagt Anwalt Nieding. Dass liegt allein schon daran, dass die Verdienstmöglichkeiten selbst auf legalem Weg beträchtlich sind. In dem Prospekt des vom Emissionshaus United Investors herausgegebenen Deutsche S&K Sachwerte Nr.2 ist von Provisionen in Höhe von 19,37 Prozent die Rede – Geld, das erst einmal wieder verdient werden muss.

Kritiker weisen zudem auf laxe Kontrollen hin. Die Finanzaufsicht BaFin prüft zwar den Prospekt, aber nur auf Vollständigkeit, nicht auf Inhalt. Verbraucherschützer bemängeln die in Deutschland noch mangelhafte Regulierung des „grauen Kapitalmarkts“. In anderen Ländern sei man an dieser Stelle weiter. „Die Leute sind nicht blöd, sie werden systematisch verführt“, so Dorothea Mohn, Geldanlageexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Das Versprechen der Überrendite ist der Anreiz, mit dem es gelingt, solche Produkte zu verkaufen. Nachteil und Risiken werden heruntergespielt oder erst gar nicht erwähnt.“

Beim Verband der geschlossenen Fonds gibt man sich angesichts des Betrugsfalls zerknirscht. „Wir sehen mit großer Sorge, dass dieser Fall die vielen seriösen Anbieter in ein schlechtes Licht rückt“, sagt Hauptgeschäftsführer Eric Romba.