E-Commerce

Amazon kündigt auch einem Personaldienstleister

Arbeitsagentur sieht sich vom Online-Händler getäuscht

Der Internet-Versandhandel Amazon bemüht sich nach Vorwürfen wegen schlechter Arbeitsbedingungen um Schadensbegrenzung. Nicht nur einem umstrittenen Sicherheitsdienst wurde gekündigt, sondern auch dem Dienstleister Trenkwalder, der vor Weihnachten für die Unterbringung von ausländischen Saisonarbeitern im hessischen Kirchheim zuständig war. Es sei nicht gelungen, die Einhaltung der eigenen hohen Standards auch durch den Dienstleister zu gewährleisten, erklärte Amazon. Trenkwalder weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen sei nach einer ARD-Dokumentation vergangene Woche Prüfungen des Zolls und der Bundesagentur für Arbeit (BA) unterzogen worden. Diese Prüfungen hätten zu keiner Beanstandung geführt beziehungsweise die Anschuldigungen nicht bestätigt. Zudem habe man 2012 nur einen kleinen Teil der Mitarbeiter für das Weihnachtsgeschäft gestellt.

Einhaltung der Spielregeln

Die örtliche Arbeitsagentur fühlt sich jedoch durch die Verantwortlichen des Logistikzentrums Bad Hersfeld getäuscht. Man sei bei der Vermittlung von 68 Saisonarbeitskräften aus Spanien stets davon ausgegangen, dass diese bei Amazon direkt eingestellt würden, erklärte die Agentur Bad Hersfeld-Fulda. Wie die Beschäftigten selbst habe man erst zwei Tage vor Arbeitsantritt erfahren, dass eine Zeitarbeitsfirma zwischengeschaltet werde. Die Arbeitsverwaltung habe ihren Unmut darüber deutlich gemacht, man werde zukünftig auf Einhaltung der Spielregeln bestehen. Die Arbeiter hätten ihre Verträge aber freiwillig abgeschlossen.

Die Opposition im hessischen Landtag sieht Amazon als Fall für die Gewerbeaufsicht. Dafür sei die Landesregierung zuständig, die eingreifen müsse, sagte der Abgeordnete Wolfgang Decker (SPD). Der Fall zeige, dass der Arbeitsmarkt bei Leiharbeit und Niedriglöhnen neu geordnet werden müsse. Drangsalierung dürfe nicht geduldet werden, erklärten die Grünen. Die CDU verwies auf die von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen angestoßene Überprüfung.

Zuvor hatte der Versandhändler die Zusammenarbeit mit dem in Kirchheim tätigen Sicherheitsdienst beendet. Bei dessen Personal hatte die Reportage Kontakte in die rechte Szene ausgemacht. Der Leiter der Sicherheitsfirma Hess wies die Vorwürfe zurück.