Unternehmen

Stadler kämpft mit den Behörden

Bombardier-Rivale wächst. Genehmigungsverfahren erschwert Geschäft

– Eine Geschichte, die Michael Daum zu erzählen hat, handelt von Erfolg. Um ganze 47,6 Prozent ist der Umsatz des Bahnherstellers Stadler Pankow 2012 im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. 330 Millionen Euro kamen durch den Verkauf von Berliner Stadler-Bahnen in die Kassen. 1300 Mitarbeiter stehen an drei Berliner und einem Brandenburger Betriebsteil unter Vertrag. Am Hauptstandort Wilhelmsruh habe man alle verfügbaren Flächen belegt. Könnte also kaum besser laufen für die deutsche Tochter des Schweizer Bahnherstellers. Einerseits.

Auf der anderen Seite plagt Stadler ein ähnliches Problem wie Konkurrent Bombardier. Immer häufiger verzögert sich die Auslieferung von Regionalbahnen oder Straßenbahnzügen. Stadler zum Beispiel sollte schon längst 16 Züge an die Bahngesellschaft Odeg geliefert haben. Diese betreibt seit Dezember 2012 die beiden Regionalbahnlinien RE 2 und RE 4. Die letzten Züge von Stadler wird sie aber erst im April bekommen, wie Daum am Donnerstag sagte. Dann sollen die Doppelstockzüge vom Typ Kiss endlich Fahrgäste befördern. „Geld verdienen wir mit diesem Auftrag nicht mehr“, sagt Daum.

Stadler musste die Bremsen nachrüsten. Andernfalls hätte es keine Betriebserlaubnis vom Eisenbahnbundesamt (EBA) gegeben. Hauptproblem aus Sicht von Daum: Die Zulassungsprozedur für neue Züge ist in Deutschland für Bahnhersteller unkalkulierbar geworden. Daum spricht von „gravierenden Störgrößen“. Ständig kämen neue Prüfanforderungen vom EBA. „Es werden mittendrin die Spielregeln geändert“, beklagt Daum. Es würden beispielsweise Nachweise verlangt – ohne das klar sei, in was für einem Prüfverfahren diese zu erbringen seien. „Die Politik muss dringend Leitplanken einziehen“, fordert Daum. Allerdings räumt er auch ein, dass man bei Stadler in Pankow wegen des schnellen Wachstums durchaus Qualitätsprobleme bekommen habe.

Trotz dieser Probleme hat der Zughersteller im Grunde gute Perspektiven. Weltweit wächst die Nachfrage nach öffentlichem Nahverkehr. Und davon profitieren Unternehmen wie Stadler oder aber die Konkurrenten Bombardier, Siemens und Alstom. Besonders stolz sind sie bei Stadler darauf, dass sie nun auch erstmals U-Bahnzüge für die BVG bauen. 2015 soll die sogenannte Vorserie aus zwei Zügen fertig sein. „Wir gehen davon aus, dass wir mehr Züge bauen werden“, sagte Daum.

Gleiches hoffen sie für die S-Bahn. Zusammen mit Siemens hat sich Stadler darum beworben, 170 neue Züge für den Betreiber der Ringbahn zu liefern – wenn es denn jemals zu einer ordnungsgemäßen Ausschreibung kommen sollte. Da die Genehmigungen lange brauchen, ist der erste Betriebstag einer möglichen Siemens-Stadler-S-Bahn noch in einiger Ferne. „Wenn wir morgen den Zuschlag bekämen, wäre frühestens 2019 der erste Zug fertig“, sagte Daum. Allein für das Genehmigungsverfahren wird ein Zeitraum von rund vier Jahren veranschlagt.