Partnervermittlung

Männer-Shopping in Berlin

Drei junge Gründer haben mit "ShopAMan" einen virtuellen Einkaufswagen für Singles auf der Suche entwickelt

Welche Stadt, wenn nicht Berlin, kann die optimale Inspiration für die Gründer einer Dating-Seite sein? Mehr als die Hälfte der Berliner leben in der Hauptstadt mit den vielen Möglichkeiten allein – und so kann es durchaus passieren, dass drei junge Herren mit Gründersinn irgendwie auf die Idee kommen, den Frauen einen virtuellen Einkaufswagen an die Hand zu geben, mit dem sie online Männer einkaufen können.

Aber von vorn: Bevor Männer zum „Produkt“ und Frauen zu „Shopaholics“ wurden, gründeten Lukas Brosseder und David Khalil mithilfe des Inkubators Rocket Internet eine GmbH mit dem Ziel, eine neue Online-Partnervermittlung am Markt zu etablieren. Brosseder und Khalil, heute beide 30, haben nicht nur gemeinsam an der privaten Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar studiert, sie lebten dort sogar in einer Wohngemeinschaft. Nach dem Abschluss ging es erst mal getrennt ins Ausland (Texas und Mexico), bevor man sich in Berlin wieder zusammentat. „Unser vordergründiges Ziel war von Beginn an, Menschen glücklich zu machen“, behauptet David Khalil.

Zu dieser Zeit, Ende 2008, ist der Markt der virtuellen Flirts und Liebeleien eigentlich schon gut besetzt, ElitePartner und Parship heißen die großen Platzhirsche im Geschäft mit den einsamen Herzen – dem neuen Projekt von Brosseder und Khalil, eDarling, schreibt man daher zunächst den Status des Angreifers zu. Im Mai 2009 geht eDarling online und gehört heute zu den führenden Online-Partnervermittlungen in Deutschland. Beachtlich, wenn man berücksichtigt, dass mehr als 2000 Anbieter von Partner-Portalen um Single-Herzen (und Profile) kämpfen. Unterscheiden muss man da zwischen den ernsthafteren Partnervermittlungen und den oftmals auch zwangloseren (und günstigeren) Datingseiten beziehungsweise Singlebörsen – in der zweiten Kategorie heißen die Markführer Friendscout24 und Neu.de.

Dass der Angreifer so schnell erfolgreich werden konnte, lag auch an den guten Startbedingungen für eDarling: Finanzielle Unterstützung gab es unter anderem von den Samwer-Brüdern, die zu den erfolgreichsten Internet-Unternehmern in Europa zählen, den Holtzbrinck Ventures und der Investitionsbank Berlin, vor allem aber vom amerikanischen Datingportal eHarmony. Kurz nach dem Start von eDarling in Deutschland beschloss eHarmony, zu investieren. Im Gegenzug erhielt das amerikanische Datingportal dreißig Prozent des deutschen Portals.

Als dritter Mann im Gründer-Bund der Liebesboten kam etwas später Christian Vollmann, auch er WHU-Absolvent, hinzu – und mit ihm die Start-up-Erfahrung. Der 35-Jährige ist Gründer von MyVideo, die Videoplattform hat er 2007 lukrativ an ProSiebenSat.1 verkauft, zuvor bereits Online-Dating-Erfahrung als Gründer und Geschäftsführer der Dating-Seite iLove gesammelt. Nachdem das Kind eDarling seine ersten und auch weiteren Schritte erfolgreich tat – das Angebot wurde bislang auf 19 Länder ausgeweitet, neben Europa auch Chile und Mexico – gingen die drei ein neues Projekt an: ShopAMan heißt das provokante Vorhaben, das 2011 online ging und jetzt richtig durchstarten soll.

Frischer Ansatz, junge Zielgruppe

„Wir haben festgestellt, dass das Konzept einer Partnervermittlung nicht für jeden Single interessant ist“, sagt Brosseder. Daher habe man sich entschieden, eine Datingseite mit einem frischen Ansatz für eine jüngere Zielgruppe auf den Markt zu bringen. Doch dabei lief nicht alles so problemlos wie bei eDarling. ShopAMan hieß zunächst noch eher zurückhaltend Betterdate, hatte aber schon ein ganz eigenes Konzept: Frauen dürfen sich Männer direkt in einen virtuellen Einkaufswagen laden, sie bekommen zudem eine persönliche Einkaufsliste präsentiert, auf der sich Männer um einen Platz in ihrem Wagen bewerben. Nur wer dort landet, darf die Frau auch mit einem persönlichen Anschreiben bezirzen. Ein Mechanismus, der die Nutzung der Seite vor allem für Frauen angenehm machen soll – sie entgehen so unpersönlichen Massenmails von Männern, die sie nicht interessieren. „Ohne Markenbekanntheit war es allerdings schwierig, die neue Datingseite zu etablieren“, sagt Brosseder. „Wir haben erkannt, dass wir in eine neue Richtung gehen müssen, um auf uns aufmerksam zu machen.“ So erfolgte im November 2012 ein kompletter Relaunch von Betterdate samt Renaming zu ShopAMan. Während eDarling eine „wissenschaftlich basierte Partnervermittlung für Singles, die eine langfristig glückliche Beziehung suchen“, ist, zeigt sich ShopAMan.de als die lustige kleine Schwester. Der Name ist Konzept, das Shopping-Vokabular wird beeindruckend konsequent eingesetzt: Die „Produkte zum Verlieben“ sind „frisch eingetroffen“, es gibt „Vintage-Stücke“ von „bester Qualität“ und „täglich frische Angebote“ – teilweise „sofort verfügbar“.

Für Frauen ist die Mitgliedschaft in der pink-schwarzen Shoppingwelt kostenlos, Männer müssen – je nach Dauer ihres Vertrags – zwischen 9,90 und 29,90 Euro im Monat bezahlen. Hier soll das altbewährte Disco-Prinzp greifen, das Brosseder so formuliert: „Wenn da viele gute Frauen sind, kommen die zahlenden Männer von ganz alleine.“

Bisher haben sich mehr als 250.000 Nutzer auf ShopAMan.de angemeldet, täglich kommen im Durchschnitt 1000 neue Mitglieder dazu. „Wir erwarten jedoch eine deutliche Steigerung in den nächsten Monaten“, sagt Brosseder, bereits in der ersten Januarwoche habe sich die Zahl der täglichen Neuanmeldungen verdoppelt. Diese Entwicklung wird auch durch eine TV-Werbekampagne auf ProSieben und Sat.1 unterstützt – und durch besondere Offline-Aktionen, mit denen man schon bei eDarling Erfahrung sammelte: Im November vergangenen Jahres eröffnete eDarling eine Offline-Filiale in Kreuzberg, wo sich Kunden und Interessenten persönlich beraten lassen können. David Khalil erklärte damals: „Das ist auch ein Investment in unsere Marke. Während unsere beiden Haupt-Wettbewerber nicht einmal telefonisch für ihre Kunden erreichbar sind, sind wir das jetzt darüber hinaus noch offline.“ Die Filiale als Alleinstellungsmerkmal, diese Strategie verfolgte man im Ansatz auch beim Start von ShopAMan.de: In der Vorweihnachtszeit gab es für drei Tage einen Pop-up-Shop in der Torstraße, in dem interessierte Damen Männer kaufen konnten – allerdings nur bestimmte Körperteile dieser, in Schokolade gegossen.

Täglich 1000 neue Mitglieder

Doch, auch das muss man an dieser Stelle erwähnen, ganz alleine kamen die drei Unternehmensgründer nicht auf diese innovativen Ideen. Das Konzept stammt aus Frankreich, AdopteUnMec.com (Adoptiere einen Typen) heißt das Männer-Shopping dort. Die Seite, die im September 2008 an den Start ging, ist eine der erfolgreichsten in Frankreich. Sie hat 600.000 aktive Mitglieder und mehr als 330 Millionen Seitenaufrufe pro Woche. „Es gibt kein anderes Konzept, welches den Datingmarkt so innovativ aufgerollt hat“, sagt Brosseder. Daher habe man das Prinzip aufgegriffen und für den deutschen Markt adaptiert. Dabei will das Original im Frühjahr unter AdoptAGuy.de selbst nach Deutschland kommen. Männer soll es dann nicht nur online, sondern auch ganz real in Shops in Berlin und München auf jeweils 250 Quadratmetern in „beleuchteten Regalen“ geben. Männer, die sich vorab online registriert haben, sollen in Verpackungsboxen ausgestellt werden, Frauen, „die sich für ein marktfähiges Produkt entschieden haben“, können „es“ dann mit in das shopeigene Restaurant nehmen.

Dennoch erwartet ShopAMan für das Geschäftsjahr 2013 „Umsätze in Millionenhöhe“, genauer will man sich nicht äußern. Übrigens: Zwei der drei Datingseiten-Gründer sind glücklich vergeben, nur einer, Lukas Brosseder, ist selbst auch Single.