Vorleser

Audio-Streaming-App "capsule.fm" macht das Internet hörbar

Mit den Namen ist das so eine Sache. Da glaubte man, den Erfinder der Geolocation-Video-App „capsuling.me“ zu treffen. Und dann sitzen dem Reporter im Kreuzberger „Betahaus“ zwei Gründer gegenüber, die von einer Audio-Streaming-App namens „capsule.fm“ erzählen.

Szene-Kenner schmunzeln: Das sei sogar schon Investoren passiert. Ein schwacher Trost für den ob seiner Unachtsamkeit blamierten Journalisten, andererseits ein Lehrstück, wie wichtig Markennamen sind. Doch was die Australierin Danielle Reid und der Norweger Espen Systad dann zeigen, ist so interessant, dass es hier nicht verschwiegen werden sollte. Ihre App hat mit künstlicher Intelligenz zu tun. Das Programm capsule.fm scannt die Nachrichtenfeeds eines Nutzers, wählt in Echtzeit die interessantesten aus und liest sie mit einer Computerstimme dem Anwender vor. „Wir machen dein Internet hörbar“, lautet die Botschaft.

Reid, Systad und der Programmierer Tor Langballe (ebenfalls aus Norwegen) arbeiten seit sieben Monaten an dem Projekt. Inzwischen haben sie einen Prototypen entwickelt und hoffen, in einigen Monaten eine erste App für Smartphones zeigen zu können. Kurznachrichten von Twitter, E-Mails und Sportergebnisse kann der Prototyp bereits wiedergeben. Wetterbericht, Facebook-Postings, Aktienkurse und die Schlagzeilen von Nachrichtenseiten sollen folgen. Damit der Nutzer nur das erfährt, was ihn wirklich interessiert und nicht mit einem endlosen Schwall von Nachrichten überflutet wird, haben die Gründer eine Lernfunktion programmiert. Der Anwender kann mit einem Klick auf „Skip“ die Wiedergabe einer Mitteilung stoppen. Die App merkt sich das und passt die Auswahl der künftigen Web-Schnipsel dem Geschmack des Nutzers an.