Konjunktur

Deutschland exportiert wie nie zuvor

Der Außenhandel mit anderen Euro-Staaten schrumpft. Dafür werden die USA und Asiens Schwellenländer immer wichtiger

Die deutschen Exporteure haben der Krise erneut getrotzt und 2012 so viel ins Ausland verkauft wie nie zuvor. Allerdings verliert ausgerechnet das Geschäft mit den Euro-Ländern rapide an Bedeutung. Das geht aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegen. Demnach sank der Anteil der Euro-Länder an den deutschen Ausfuhren im vergangenen Jahr auf 37,5 Prozent – 1991 betrug er, auf die Vergleichsbasis der heutigen Euro-Zone umgerechnet, noch 51,6 Prozent.

Wie sehr das Geschäft mit den Euro-Nachbarn seit Ausbruch der Finanz- und später der europäischen Schuldenkrise gelitten hat, zeigt auch die Entwicklung seit 2007. Damals gingen noch 43,8 Prozent der deutschen Ausfuhren in die Euro-Länder, gut sechs Prozentpunkte mehr als heute. Während der Anteil der Euro-Partner am Auslandsumsatz der deutschen Unternehmen schrumpfte, legte das Geschäft mit den Drittländern in diesem Zeitraum beinahe spiegelbildlich zu: 2007 gingen 35,4 Prozent der deutschen Exporte in Länder außerhalb der EU und des Euro-Raums. Inzwischen liegt dieser Anteil bei 43 Prozent.

Insgesamt summierte sich der Wert der deutschen Ausfuhren 2012 auf 1,097 Billionen Euro, ein Plus von 3,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt meldete. Allerdings fiel das Plus damit deutlich geringer aus als noch im Vorjahr. Damals hatten die deutschen Exporte dank eines Anstiegs von mehr als elf Prozent erstmals die Marke von einer Billion oder 1000 Milliarden Euro geknackt. Im Vergleich dazu entwickelten sich die Importe geringer. Die Einfuhren lagen 0,7 Prozent höher als im Vorjahr bei 909,2 Milliarden Euro. Dementsprechend wies die Handelsbilanz mit 188,1 Milliarden Euro den zweithöchsten Überschuss seit 1950 aus. Höher lag er nur 2007 mit 195,3 Milliarden Euro.

Schwaches Schlussquartal

Allerdings verlangsamte sich das Wachstumstempo im Außenhandel zum Jahresende deutlich. Die Ausfuhren stiegen im Dezember im Vergleich zum Vormonat nur um 0,3 Prozent. Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 1,3 Prozent gerechnet. Auch die Importe fielen schwächer aus als erwartet und sanken um 1,3 Prozent. Im Quartalsvergleich lagen die deutschen Exporte im vierten Quartal sogar zwei Prozent unter dem Vorquartal – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die schwache Konjunktur besonders des Euro-Raums auch auf die deutschen Exporte niederschlägt. Während die Exporte in die Nicht-Euro-Länder 2012 um 8,8 Prozent stiegen, sanken die Ausfuhren in die anderen Euro-Länder um 2,1 Prozent.

Dass die Euro-Länder für die deutschen Exporteure zusehends an Bedeutung verlieren, zeigt auch der Blick auf die absoluten Zahlen der Gesamtjahresstatistik. Wie schon im Vorjahr lagen die Ausfuhren in Länder außerhalb Europas auch 2012 höher als die Ausfuhren in Euro-Länder. Diese betrugen 411,9 Milliarden Euro – in die Länder außerhalb von EU und Euro-Zone gingen hingegen Ausfuhren im Wert von 471,7 Milliarden.

Nach Ansicht von Ökonomen wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen. Die USA dürften wieder eine größere Rolle spielen. Und besonders die Schwellenländer Asiens werden als Exportadresse für Deutschlands Unternehmen immer wichtiger, während der Anteil der Euro-Länder am Auslandsumsatz deutscher Unternehmen künftig weiter sinken wird. „Die Exporte in Länder außerhalb Europas werden auch 2013 die deutsche Konjunktur ankurbeln“, kommentierte BDI-Außenwirtschaftsexperte Oliver Wieck die Zahlen. Im Schlussquartal habe die schwache konjunkturelle Lage auch auf die deutschen Ausfuhren durchgeschlagen. „Dass die Exporte auf Jahressicht dennoch einen neuen Rekordwert erreicht haben, geht ausschließlich auf das Konto der Länder außerhalb Europas“, sagte er.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung in Deutschland zeigten sich Ökonomen zuversichtlich, dass die Importe wieder zulegen werden: „Für die kommenden Monate erwarten wir nun eine bessere heimische Nachfrage und damit ein Anziehen der Importe, auch begünstigt durch den starken Euro. Auch die Exporte dürften sich positiv entwickeln, weil die Weltwirtschaft anzieht“, sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Zufrieden äußerte sich der Ökonom auch darüber, dass im vergangenen Jahr der Abbau von Ungleichgewichten vorangekommen sei. „Deutschland hilft den Partnern in der Euro-Zone, weil es weniger dorthin exportiert und dafür mehr einführt. Das stabilisiert die Wirtschaft in den Euro-Krisenstaaten“, so Schulz. Zum Glück für Deutschland sei der Abbau von Ungleichgewichten allerdings auf die Euro-Zone beschränkt. Schulz erklärt: „Für Deutschland ist es das Beste aus beiden Welten: Die Bundesrepublik hilft den Partnern aus der Euro-Zone und profitiert vom Rest der Welt.“