E-Commerce

Mobil mit Kreditkarte bezahlen

Das Berliner Start-up stellt ein neuartiges Kreditkartenterminal vor. Die passende App rechnet per Funk ab

Einzelhändler und andere Gewerbetreibende können jetzt an jedem Ort Kreditkartenzahlungen sogar für Kleinstbeträge entgegennehmen. Händler und Kunden müssen dabei nicht auf die gewohnten Sicherheitsstandards verzichten. Der mobile Bezahldienst Payleven aus Berlin startet seine entsprechende Chip-&-PIN-Lösung. Hinter dem Start-up steht die Investorengruppe Rocket Internet. Das nötige mobile Lesegerät ist jetzt zum Preis von knapp 60 Euro erhältlich, wie das Unternehmen meldet.

Bislang scheiterte das bargeldlose Bezahlen häufig an den hohen Kosten für stationäre Kreditkartenterminals oder daran, dass ein Handwerker oder Händler seine Dienstleistungen mobil anbietet und deshalb keinen herkömmlichen Kreditkartenleser anschließen konnte.

Der Kunde steckt vor dem Bezahlen seine Kreditkarte in das Lesegerät. Die erforderlichen Daten werden aus dem Kreditkartenchip ausgelesen und per Bluetooth an ein Smartphone übertragen, nachdem der Kunde seine Geheimzahl eingegeben hat. Die auf dem Smartphone gespeicherte App von Payleven schickt die Daten anschließend verschlüsselt an einen Server, der die Abrechnung vornimmt.

Payleven ist nach Unternehmensangaben der einzige Mobile-Payment-Anbieter in Europa, der von Visa/V-Pay sowie MasterCard/Maestro zertifiziert ist. Andere Anbieter für mobile Kartenzahlung konzentrieren sich auf unterschriftsbasierte Lösungen oder eine Technologie, bei der der Magnetstreifen der Karte ausgelesen wird. Dieses Verfahren bietet allerdings eine geringere Sicherheit. Zudem akzeptieren manche Anbieter nur eine kleinere Auswahl an verschiedenen Kredit- und Debitkarten.

Das schwedische Unternehmen iZettle, einer der Konkurrenten auf dem deutschen Markt, kommt dem Payleven-Standard am nächsten. Auch hier wird der Chip der Kreditkarte ausgelesen. Statt der PIN-Eingabe ist aber eine Unterschrift erforderlich. Das Berliner Start-up Sumup hingegen unterstützt derzeit noch die sogenannte Swipe-&-Sign-Technologie, bei der der Magnetstreifen ausgelesen wird.

Konstantin Wolff, Mitgründer von Payleven, sagt: „Gewerbetreibende können ab sofort Kartenzahlungen aller gängigen Anbieter annehmen, darunter nun auch Weltmarktführer Visa.“ Mit Visa hat Payleven den größten europäischen Kreditkartenanbieter dabei. In Europa gibt es mehr als 450 Millionen Visa-Karten. Sie wurden allein bis Dezember 2011 für Einkäufe oder Geldabhebungen im Wert von rund 1,7 Billionen Euro genutzt.

Europas Visa-Vizepräsident Stanley Skoglund begrüßt die Innovation, die auch kleineren Unternehmen erlaubt, sicher Kartenzahlungen entgegennehmen zu können. „Die Lösung hilft, die Kartenakzeptanz weiter zu verbreiten und dabei die Chip-&-PIN-Funktion mit allen ihren Vorteilen, vor allem im Bereich der Sicherheit, zu erhalten“, sagte Skoglund.

Der Visa-Manager hofft, dass die Reichweite des von seinem Unternehmen unterstützten Sicherheitsstandards erhöht wird, um kleinen Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, genauso sicher Kartenzahlungen anzunehmen, wie größere Unternehmen es schon seit Längerem gewohnt sind. Das neue Lesegerät bietet die Sicherheitsstandards, wie Verbraucher sie etwa aus Supermärkten oder von Tankstellen kennen.

Bei der Abrechnung zahlt der Händler eine Provision von 2,75 Prozent des Rechnungsbetrages. Das Lesegerät der Berliner ist in Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Polen erhältlich.