Konjunktur

Deutsche Löhne steigen zum dritten Mal in Folge

Trotz der Konjunkturabkühlung sind die Löhne in Deutschland 2012 zum dritten Mal in Folge gestiegen.

Nach Abzug der Inflation hatten die Arbeitnehmer 0,6 Prozent mehr in der Tasche – allerdings fiel das Plus geringer aus als in den Boomjahren 2010 und 2011, wie das Statistische Bundesamt meldete. Für die Wirtschaft ist der Reallohnanstieg eine gute Nachricht, weil steigende Einkommen den Konsum beflügeln. Der kommende britische Notenbankchef Mark Carney sagte vor einem Parlamentsausschuss in London, ein Anstieg der Löhne in Deutschland könne zur Entspannung der Euro-Krise beitragen. Ähnlich hatte sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger geäußert, der für die anstehende Tarifrunde ein Plus über alle Branchen hinweg von fünf Prozent vorgeschlagen hatte.

Andere Experten – und natürlich die Arbeitgeber – warnen jedoch vor weiteren starken Lohnerhöhungen, weil das die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie belasten würde. Für die anlaufenden Tarifgespräche haben die Gewerkschaften für verschiedene Branchen 5,0 bis 6,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. Im öffentlichen Dienst der Länder etwa will Ver.di 6,5 Prozent mehr Geld durchsetzen. Der neue Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, Marcel Fratzscher, warnte aber davor, die Löhne übermäßig zu erhöhen. Wichtig sei, eine Balance zwischen dem Ziel der Vollbeschäftigung und einer an der Produktivität orientierten Anpassung der Löhne zu finden. Auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann kritisierte zu hohe Aufschläge, weil dies das Wachstum belaste und zudem die Inflation hochtreibe.

Nominal zogen die Löhne 2012 um 2,6 Prozent. Nach Abzug der Inflation von 2,0 Prozent blieb den Verbrauchern noch ein kleines Plus. 2010 und 2011 waren die Reallöhne allerdings mit 1,5 und 1,0 Prozent noch stärker gestiegen.