Ratgeber: Aus- und Weiterbildung

Viel Disziplin, Konzentration und Leistungsbereitschaft

Jährlich werden in der Landespolizeischule in Ruhleben etwa 800 Polizeischüler ausgebildet - Die Ausbildung für den mittleren Dienst dauert zweieinhalb Jahre, kann aber verkürzt werden

Der Beruf des Polizisten ist vielschichtig und erfordert besondere Fähigkeiten. Man muss geistig und körperlich fit sein, starke Nerven haben, immer die Ruhe bewahren können, über psychologische Kenntnisse verfügen, sich in die Lage anderer Menschen versetzen und bei Streitereien auch schlichten können.

Dementsprechend vielfältig ist auch die Berufsausbildung bei der Polizei. "Wir leisten Dienst an Menschen. Die Polizei versucht, die Demokratie zu schützen und für eine funktionierende Gesellschaft sowie ein friedliches Zusammenleben zu sorgen", sagt Marc Lamprecht, Fachausbilder bei der Landespolizeischule Berlin.

Jährlich werden in der Landespolizeischule in Ruhleben rund 800 Polizeischüler ausgebildet. Die Ausbildung für den mittleren Dienst dauert zweieinhalb Jahre, bei guten Leistungen kann man sie auf zwei Jahre verkürzen.

Nach erfolgreich absolvierter Einstellungsprüfung werden die Polizeimeister-Anwärter mit einem Praktikum bei einem Polizeiabschnitt oder einer Einsatzeinheit in den Beruf eingeführt. Während der Ausbildung lernen sie im theoretischen Teil unter anderem politische Bildung, Geschichte, Sicherheits- und Ordnungslehre, Strafrecht, Kriminalistik, Verkehrsrecht und Beamtenrecht. Im praktischen Teil kommen Sport (Fitness, Kampfsport und Schwimmen), Ausbildung an Waffen, Umgang mit technischen Kommunikationsmitteln und Einsatztechniken dazu.

Großen Wert legen die Ausbilder auf Disziplin, Konzentration, Leistungsbereitschaft, Hingabe zum Beruf und Familiengedanken. "Die Polizisten müssen sich im Ernstfall aufeinander verlassen können und als Team gut funktionieren", betont Lamprecht. Deshalb wird den Polizeischülern während der Ausbildung auch beigebracht, wie sie am besten sich und ihre Kollegen schützen sowie Gefahren ohne Schaden abwehren können.

In der Regel werden alle Polizeischüler nach der Ausbildung übernommen. Ausnahmen: Wenn sie während der Ausbildung eine schwere Straftat begehen oder aus gesundheitlichen Gründen aus dem Polizeidienst ausscheiden müssen. Wer die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, kann als Polizeimeister bei einer Einsatzeinheit oder in einem Polizeiabschnitt den Dienst versehen. Die Ausbilder empfehlen den jungen Kollegen, "soviel praktische Erfahrungen wie möglich zu sammeln".

Robby Kirschner will diese Empfehlung gern annehmen. Nach seiner Ausbildung will der Polizeimeister-Anwärter in einem Polizeiabschnitt arbeiten und sein während der Ausbildung erworbenes Wissen dort in die Praxis umsetzen. Der 32-Jährige kam über Umwegen nach einer Lehre zum Zimmermann und einer Anstellung bei der Bundeswehr zur Berliner Polizei. Sein Mitschüler Hassan Hotait will nach der Ausbildung bei einem Abschnitt im Streifendienst tätig werden. Der 24-Jährige mit libanesischen Wurzeln findet den Beruf des Polizisten "sehr abwechselungsreich und aufregend". Nach seinem Abitur haben auch seine Eltern ihn motiviert, eine Ausbildung bei der Polizei anzustreben.

An Polizeischülern mit Migrationshintergrund gibt es ohnehin viel Bedarf. In einer multikulturellen Stadt wie Berlin, in der Menschen verschiedener Herkunft mit einander friedlich zusammenleben, will auch die Polizei Mitarbeiter haben, die verschiedene Sprachen beherrschen sowie die Kultur und Mentalität der Migranten gut kennen.

Das gesellschaftliche Bild soll bei der Polizei widerspiegelt werden. Vor allem in Konfliktsituationen können Polizeibeamte mit Migrationshintergrund mit ihrem speziellen Wissen und den Erfahrungen über fremde Kulturen schlichtend einwirken und bei der Deeskalation der Situation einen wichtigen Beitrag leisten. Durch ihren Hintergrund können sie bei Behörden eingesetzt werden, die Migranten betreuen.

Bei entsprechender Eignung werden angehende Polizeibeamte nach der Ausbildung auch beim Verkehrsdienst, Fernmeldedienst, bei den Diensthundführern oder der Wasserschutzpolizei eingesetzt. Bei guten Leistungen und Fähigkeiten können sie später in den gehobenen Dienst der Schutzpolizei aufsteigen und eine Kommissarlaufbahn einschlagen.

Rund 70 Prozent der Polizeischüler in Berlin sind derzeit männlich, etwa 30 Prozent weiblich. Die Polizeiführung will den weiblichen Anteil bei der Berliner Polizei erhöhen. Deshalb sind Anfragen von weiblichen Bewerbern ausdrücklich erwünscht. Lamprecht findet es gut, dass der Anteil an weiblichen Polizeischülern in den letzten Jahren gestiegen ist. "Die weiblichen Polizisten sind manchmal sensibler. Mit emotionalen Situation können sie oft besser umgehen", meint der Ausbilder. Er hofft, dass in Zukunft mehr Frauen für die Polizeiausbildung begeistern werden können.

Bei der Berliner Polizei gibt es zudem viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Palette der angebotenen Seminare reicht von Stressbewältigung bis zu neuen Gesetzen. Die Fortbildungsseminare finden im Bildungszentrum Joachim Lipschitz in der Spandauer Radelandstraße statt.