Gründerzeit

Die Kopfjäger sind unterwegs

Jürgen Stüber über US-Headhunter, die die klügsten Berliner Köpfe ins Silicon Valley locken wollen

Der nach eigenen Angaben weltgrößte Headhunter der Computerspielindustrie hat nun auch in Berlin ein Büro. Das kalifornische Unternehmen VonChurch hat in Mitte seine Europa-Repräsentanz eröffnet und sucht die kreativsten Köpfe der aufstrebenden Branche.

Damit gewinnt Berlin immer mehr Format als Start-up-Metropole. Nach den Gründern rollt momentan die Karawane der Risikokapitalgeber nach Berlin. Mehrere internationale Unternehmen haben Büros in der Hauptstadt eröffnet. Und nun kommt der erste große Headhunter an die Spree, der an Personal für den Weltmarkt interessiert ist.

Von Interessenten überrannt

„Wir suchen gute Entwickler für unterschiedliche Märkte“, sagt Jeremy Del-Guidici, der Europa-Chef des Unternehmens. Die Branche sei dabei nicht vorrangig. „Ein guter Entwickler kann in verschiedenen Industrien arbeiten.“

„Die Resonanz in den ersten Tagen war unvorstellbar“, sagt Del-Guidici. Wie er berichtet, wird sein Team von Interessenten geradezu überrannt.

Nach erfolgreichen Jahren in San Francisco und New York suchte VonChurch eine Niederlassung außerhalb der USA. Im Gespräch waren Singapur in Südostasien, Tel Aviv in Israel, Berlin und eine Stadt in Brasilien.

Strategisch günstige Lage gab den Ausschlag

Gute Verbindungen, ein vorhandener Kundenstamm in Europa und die Einsicht in den prosperierenden Berliner Markt waren ausschlaggebend dafür, dass die Wahl auf diese Stadt fiel. „Der Markt hier hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt“, sagt der Headhunter. Zwar gebe es einen Berlin-Hype, räumt er ein, und das „Ecosystem“ habe auch nicht das gleiche Niveau wie in anderen Hightechmetropolen. Doch die Voraussetzungen seien gut.

Hinzu kommt die strategisch günstige Lage. Zum einen gibt es die lokale Start-up-Szene. Zum anderen sind die Entfernungen zu anderen aufstrebenden Start-up-Metropolen in Polen, Russland und zu skandinavischen Städten kurz. Der traditionelle Standortvorteil durch die weit niedrigeren Lebenshaltungskosten als in anderen europäischen Städten mag ein weiterer Grund gewesen sein.

Berlin ist ein wichtiger Standort der Spieleindustrie. Das Start-up Wooga zum Beispiel mit seinen mehr als 250 Mitarbeitern aus 35 Ländern zählt mittlerweile zur Weltklasse bei den Social Games. Mehr als 50 Millionen Nutzer greifen über das Web und Smartphones auf die Plattform zu.

Am Anfang war die Tischtennisplatte

VonChurchs Unternehmensgeschichte bedient alle Klischees der Start-up-Branche: Mit einer Tischtennisplatte fing alles an. Es war ein warmer Nachmittag des Sommers 2008 in San Francisco. Beim Spiel hatten Alex Churchill und Corey Myers die Idee zur Gründung des Unternehmens. Sie waren seinerzeit begeisterte Gamer und hatten die Dynamik der Branche erkannt. Ihr Ziel war es, ein Zentrum für die Vermittlung von Experten für die boomende Computerspielindustrie aufzubauen.

Das Unternehmensmotto lautet „Work Hard, Play Harder“. Nun hat das Unternehmen auch einen Brückenkopf in Europa mit Berlin als Standort. Die vier Mitarbeiter unter der Leitung von Jeremy Del-Guidici residieren an der Rosenstraße in Mitte.