Wirtschaftsförderung

Schaufenster für Schrittmacher und Pillen

Gesundheitssenator will Repräsentationsort für Firmen der Berliner Gesundheitswirtschaft

– Was Mario Czaja, Berliner Gesundheitssenator von der CDU möchte, klingt ein wenig nach Apple. Die Marketingstrategen des Lifestye-Elektronik-Gigangen präsentieren ihre Produkte gern wie Museums-Unikate in wohl ausgeleuchteten Räumen. Ein vergleichbarer Showroom schwebt Czaja für Berlins wichtigste Branche vor. „Es wäre schön, ein Schaufenster der Berliner Gesundheitswirtschaft mit den wichtigsten Produkten zu schaffen“, sagt Czaja bei einem Besuch des Herzschrittmacher-Herstellers Biotronik in Neukölln.

Der Prothesenhersteller Otto Bock habe da mit seinem Haus nahe des Potsdamer Platzes Maßstäbe, so Czaja. Auch die Gläserne Manufaktur von VW in Dresden nannte er als Vorbild. In dem Haus von Otto Bock, auffällig durch seine ungewöhnlichen Architektur, wollen am 18. Februar wichtige Akteure von Firmen und Verwaltg und der Gesundheitswirtschaft zusammentreffen. Czaja hat die Technologiestiftung Berlin (TSB) des Landes beauftragt, Ideen und Szenarien will. Man stehe noch ganz am Anfang, betont die Gesundheitsverwaltung.

Jetzt wird die Idee erst einmal in das Netzwerk Health Capital eingespeist. Dort sind die wichtigsten Akteure der Gesundheitswirtschaft organisiert: Von Kliniken in Landesbesitz wie Charité und Vivantes-Gruppe über den Pharmakonzern Bayer bis hin zu Hightechunternehmen wie Biotronik oder der Strahlenmedizin-Spezialist Eckert&Ziegler.

Geklärt werden muss zunächst einmal eine ganze Menge Fragen: Wo soll das Schaufenster aufgebaut werden? Bei einem Unternehmen, das Raum zur Verfügung stellt? Möglicherweise Biotronik, die das Areal des historischen Postfuhramtes an der Oranienburger Straße erworben haben oder doch in einem Gebäude des Landes Berlin?

Czaja sagt, es ginge um die Industrie, die sich in den vergangenen Jahren in Berlin am besten entwickelt habe. Das lässt sich mit Zahlen belegen. Laut Health Capital erwirtschaften rund 6000 Unternehmen einen Jahresumsatz von mehr als 16 Milliarden Euro pro Jahr. Rund 270.000 Menschen bietet die Gesundheitswirtschaft Arbeitsplätze. Ungefähr jeder vierte Berliner Arbeitsplatz zählt demnach zur Gesundheitswirtschaft. Das Gros sind Pflege- und Servicekräfte der Krankenhäuser. Dazu kommen aber auch Forscher des Max-Delbrück-Zentrums, Laboranten bei Bayer oder Ingenieure, die an neuen Schrittmachern bei Biotronik tüfteln.

Gesundheitswirtschaft war das erste der sogenannten Berliner Wirtschafts-Cluster. Mit dem englischen Begriff für Klumpen sind Branchen gemeint, denen man eine besonders viel versprechende Entwicklung zutraut. Cluster – weitere sind etwa Verkehr und sowie Informationstechnologien – werden in besonderem Maße mit Mitteln der Berliner Wirtschaftsförderung bedacht.