Personalien

ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Cromme droht Ärger

Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp kommt nicht zur Ruhe.

Vor der Hauptversammlung am kommenden Freitag sieht sich Aufsichtsratschef Gerhard Cromme mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Kritiker werfen ihm Versäumnisse im Zusammenhang mit den Milliardenverlusten beim Stahlwerksbau in Brasilien und mit Affären bei ThyssenKrupp vor. Auch die Erste-Klasse-Flüge für Aufsichtsratsmitglieder könnten zu einem Thema bei der Hauptversammlung werden.

Ein glaubwürdiger Neuanfang bei ThyssenKrupp könne nicht auf der Vorstandsebene enden, sagte Hans-Christoph Hirt von der Londoner Investorenvertretung Hermes Fund Managers. Führungskultur sei „nicht nur Aufgabe des Vorstands“. Hirt sprach sich für „eine geordnete Nachfolgeregelung an der Spitze des Aufsichtsrats“ aus. ThyssenKrupp hatte sich Ende vergangenen Jahres von drei Vorstandsmitgliedern getrennt und dies mit „notwendigen Veränderungen des Führungssystems und der Führungskultur im Konzern“ begründet.

Ein Zusammenschluss von ehemaligen Spitzenmanagern der deutschen Industrie habe Cromme in einem offenen Brief zum Rücktritt aufgefordert, berichtet der „Spiegel“. Crommes Umgang mit den Affären werfe ein falsches Bild auf all jene Aufsichtsräte, die sich „mit großer Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit“ für gute Unternehmensführung einsetzten, heiße es in dem Brief der „Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland“.

Zur Hauptversammlung in Bochum haben bereits mehrere Aktionäre Gegenanträge eingereicht. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW kündigte an, den drei abgelösten Vorstandsmitgliedern und dem Aufsichtsrat die Entlastung zu versagen. In beiden Fällen fordern die Anlegerschützer eine Vertagung, weil mit den aktuellen Informationen keine Entscheidung möglich sei.

IG-Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler muss wegen seiner Erste-Klasse-Flüge mit ThyssenKrupp nicht um seinen Posten in der Führung der Gewerkschaft bangen. „Wenn er sich nichts anderes vorwerfen lassen muss, dann bleibt er im Vorstand der IG Metall“, sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber dem „Spiegel“. Huber nannte die Flüge in der teuersten Flugklasse zwar einen Fehler, nahm Eichler aber zugleich in Schutz. Wegen fünf Flügen habe sich Eichler „doch nicht in seiner Arbeit als Aufsichtsrat beeinflussen oder gar kaufen lassen“.