Bildung

Südeuropa nimmt sich Deutschland zum Vorbild

Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit: Sechs EU-Länder sehen in dualer Ausbildung gutes Modell

Ein Zahlenpaar belegt das Drama von Portugals Arbeitssuchenden. Über die Hälfte von ihnen wird nach neuen Daten des europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop) im Jahr 2020 nur eine niedrige Qualifikation haben, das heißt etwa einen Schulabschluss nach der Pflichtschulzeit, aber nicht viel mehr. Aber nur 15 Prozent der verfügbaren Arbeitsplätze sind für Menschen mit niedriger Qualifikation zugänglich. Die Zukunft liegt, europaweit, in der Mitte: Für 51 Prozent aller Jobs werden Unternehmen im Jahr 2020 Menschen mit mittlerer Qualifikation suchen – das heißt laut Cedefop-Direktor Christian Lettmayr vor allem: „Menschen, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben.“

Diese Mitte aber fehlt vielen Ländern Europas: Stellen in Portugal die Geringqualifizierten die Mehrheit, so setzt sich in Griechenland oder Spanien seit Jahren schon ein gegenläufiger Trend fest: „Gemessen am Arbeitskräftebedarf, sehen wir da schon zu viele Universitätsabsolventen“, sagt Lettmayr. Nach den Vorhersagen seiner Agentur, die er den Bildungsministern der Krisenländer im Süden jüngst präsentiere und die der Berliner Morgenpost vorliegen, wird der Anteil der Jobs für Hochqualifizierte im Jahr 2020 bei 34 Prozent von allen Arbeitsplätzen liegen – in Spanien wird diese Gruppe dann aber mehr als 42 Prozent der Erwerbstätigen ausmachen.

Dieser Bruch des Wohlfahrtsversprechens aller Generationen seit dem Zweiten Weltkrieg an ihre Nachkommen, dass Investitionen in den höchstmöglichen Bildungsabschluss sich auch für den Einzelnen wirtschaftlich lohnen, scheint in akuter wirtschaftlicher Not noch als das kleinere Übel. Dass Jobs für Geringqualifizierte heute schon weniger werden, dass aber auch heute auch die mit hohem Ausbildungsniveau hart von der Rezession in weiten Teilen Europas getroffen werden, legen auch die jüngst veröffentlichten Zahlen der EU-Kommission zu EU-weiten Neueinstellungen nahe. Die Gefahr in beiden Fällen: steigende Arbeitslosigkeit vor allem bei denen, die neu in den Arbeitsmarkt drängen. Die dramatische Lage ihrer Jungen bringt die Länder Südeuropas nun dazu, ihre Ausbildungssysteme umzubauen, weg von einem rein unterrichtsbasierten Modell. Sie wollen dabei von deutschen Erfahrungen profitieren: Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland sowie die Slowakei und Lettland haben daher kürzlich auf Ebene der zuständigen Minister vereinbart, das duale System der Berufsausbildung, der Normalfall in Deutschland, auf lange Frist zu einem Standard von der Ostsee bis zur Ägäis zu machen. Ein Erfolg versprechender Ansatz, sagt Lettmayr: „Die Regierungen suchen verzweifelt nach Auswegen aus der dramatischen Lage an den Arbeitsmärkten. Das duale System der Berufsausbildung nach deutschem Vorbild kann einen solchen darstellen.“

Schon im Januar soll es mit Beteiligung der EU-Kommission ein weiteres hochrangiges Treffen in Bonn geben, mit dem Ziel, weitere Länder für das Modell zu begeistern, mit dem Deutschland gute Erfahrungen gemacht hat. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei nur acht Prozent, der niedrigste Stand in der EU.