Leserfrage

Arbeitszeugnis mit schlechten Noten?

Ich habe mir ein Zwischenzeugnis von meinem Arbeitgeber ausstellen lassen. Mein Chef schreibt auch Dinge, die durchaus negativ gelesen werden können. Wie wehre ich mich?

Grundsätzlich kann ein Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht klagen und Berichtigung des Zeugnisses verlangen. Das setzt aber voraus, dass das Zeugnis nach Form und Inhalt den gesetzlichen Bestimmungen widerspricht. Und das ist nur dann der Fall, wenn es unwahre Aussagen enthält, nicht wohlwollend formuliert sind oder wenn es unvollständig ist. In der Klage muss der Arbeitnehmer genau angeben, was wie geändert werden soll.

Man unterscheidet zwischen der Beschreibung der Tätigkeit und der Bewertung durch den Arbeitgeber. Geht es um die Aufgabenbeschreibung, muss der Arbeitnehmer nachweisen, dass er die Tätigkeit geleistet hat. Streiten Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Bewertung, teilt sich die Beweislast: Verlangt der Arbeitnehmer eine überdurchschnittliche Beurteilung, muss er Tatsachen vorbringen, die eine solche Beurteilung rechtfertigen.

Verlangt der Arbeitnehmer Korrektur einer unterdurchschnittlichen Bewertung, muss hingegen der Arbeitgeber Gründe für die unterdurchschnittliche Bewertung darlegen. Ist die im Zeugnis beschriebene Tätigkeit oder die Bewertung sachlich richtig, hat der Arbeitnehmer wenig Möglichkeiten, gegen eine konkrete Formulierung gerichtlich vorzugehen. Die Formulierungshoheit für das Zeugnis liegt beim Arbeitgeber. Korrekturen sind nur möglich, wenn sich aus der Art der Formulierung negative Schlüsse ziehen lassen, die den Arbeitnehmer in seinem beruflichen Fortkommen behindern können.

Martin Römermann, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Partner bei SKW Schwarz Rechtsanwälte in Berlin