Sozialpolitik

Dicke Briten sollen weniger Sozialhilfe bekommen

Fish and Chips mit reichlich Bier runtergespült, danach Cheese-and-Onion-Chips zum Nachtisch – die englische Küche hat der Hälfte aller Briten Übergewicht beschert.

Das hat Auswirkungen auf das staatlich finanzierte Gesundheitssystem. Umgerechnet 6,3 Milliarden Euro kostet es pro Jahr, die durch Fettleibigkeit ausgelösten Leiden zu behandeln. Staat und Kommunen wollen das nicht länger hinnehmen: Wer nichts für seine Gesundheit tue, dem solle die Sozialhilfe gekürzt werden, schlägt eine Studie vor, die die Verwaltung des Londoner Stadtteils Westminster nun vorgestellt hat.

Eine Sozialreform des Staates sieht vor, dass Kommunen ab April mehr Aufgaben im Gesundheitssystem übernehmen. Ohne innovative Ideen könnten die Gemeinden die Zusatzkosten jedoch nicht stemmen, so die Studie. Hausärzte sollten demnach übergewichtigen Patienten den Besuch im Fitnessstudio verordnen. Der Anspruch auf Wohngeld und Wohnsteuererlass soll dann von den Sportaktivitäten abhängig gemacht werden. Kontrolliert werden soll dies über Chipkarten, die aufzeichnen, wie viele Stunden pro Woche sich der Patient im Sportstudio oder Schwimmbad aufgehalten hat.

Das von der Konservativen Partei geführte Westminster nennt die Initiative ein „Zuckerbrot und Peitsche“-Projekt. Nur durch finanzielle Anreize könnten die Fettleibigen dazu gebracht werden, mehr auf ihre Gesundheit zu achten. Cleveres, vorwärtsgewandtes Denken nennt es Westminster-Verwaltungschefin Philippa Roe. Die Regierung von David Cameron hat sich noch nicht geäußert, aber Ankündigungen von Schatzkanzler George Osborne gehen in dieselbe Richtung. Kritik kommt von Lawrence Buckman von der British Medical Association. Statt Patienten zum Sport zu zwingen, sollten die Kommunen besser „Restaurants verbieten, in denen es die Art von Essen gibt, die die Leute dick macht“, sagt der Mediziner.