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First Solar ist jetzt Geschichte in Frankfurt (Oder)

Suche nach Investor geht weiter. Geldspritze vom Land

– Beim Solarmodulhersteller First Solar in Frankfurt (Oder) sind am Silvestertag offiziell die Lichter ausgegangen. Regulär war der vergangene Freitag letzter Arbeitstag. Der US-Konzern schließt seine beiden Werke in Brandenburg. Bis spätestens Ende Mai verlieren damit alle 1200 Beschäftigten ihren Job. Ein wenig Hoffnung besteht aber noch: Eventuell findet sich ein Investor, der das Geschäft von First Solar in Frankfurt in Teilen fortführen will.

In der Stadt an der polnischen Grenze Ende ist damit fast ein ganzer Industriezweig verschwunden. Jahrelang sorgten Solarunternehmen in Frankfurt für Arbeitsplätze und Gewerbesteuer-Einnahmen. Doch Anfang 2012 musste bereits Odersun mit rund 250 Mitarbeitern Insolvenz anmelden. Der angeschlagene Hersteller Conergy hatte bereits 2011 seine Produktion reduziert und rund 100 Arbeitsplätze gestrichen.

Knapp 300 First-Solar-Mitarbeiter werden vom kommenden Mittwoch an den Maschinenpark abbauen, sagte Werksleiter Burghard von Westerholt. 600 Menschen gehen in eine Transfergesellschaft. Dort werden sie bei der Suche nach einem neuen Job unterstützt. Die Produktionsanlagen von First Solar werden zum großen Teil verschrottet. Da sie bereits seit etwa sechs Jahren im Einsatz waren, sind sie unmodern. Der Rest werde eingelagert. „Sie können nicht verkauft werden, da sie auf die speziellen Anforderungen bei First Solar zugeschnitten waren“, sagte von Westerholt. Er zeigte sich sehr optimistisch, dass die Suche nach einem Investor erfolgreich ende. Es gebe ernsthafte Interessenten, sagte er, ohne weitere Details nennen zu wollen. Er hoffe im ersten Quartal eine spruchreife Lösung vorstellen zu können. Knapp 200 bisherige Mitarbeiter sollen aus eigener Kraft einen neuen Job gefunden haben. Der US-Konzern hatte im vergangenen April überraschend die Schließung seiner beiden Werke in der Oderstadt bekannt gegeben. Die Landesregierung setzte die Arbeitsgruppe First Solar ein, der unter anderem Vertreter der Stadt und der Gewerkschaft angehören.

Wegen der vielen Solarpleiten bekam Frankfurt im vergangenen Jahr die größte Finanzspritze aller verschuldeten Brandenburger Kommunen. Die Stadt erhielt 22 Millionen Euro. Hintergrund sei der nicht vorhersehbare Einbruch von Steuereinnahmen bedingt durch Insolvenzen von Solarunternehmen gewesen. Laut Ministerium handelt es sich bei dem Betrag um die bislang höchste Einzelsumme aus dem Ausgleichsfonds. Insgesamt unterstützte das Land mit rund 82,8 Millionen Euro verschuldete Kommunen.