Umfrage

Unerschütterliche Optimisten

Stabiler Arbeitsmarkt, steigende Einkommen: Trotz Euro-Krise und vieler Risiken sind die Deutschen laut einer Umfrage guter Dinge für 2013

Euro-Krise, Rezessionsängste, Inflationssorgen: Das Jahr 2012 war von vielen wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt, die die Deutschen auch in diesem Jahr nicht loslassen werden. Dem Optimismus vieler Menschen hierzulande kann das aber nichts anhaben: Drei von vier Bundesbürgern sehen positiv in die Zukunft, heißt es in einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst&Young, die der „Welt“ vorliegt. „Die europäische Schuldenkrise mit ihren Unsicherheiten ist in der Wahrnehmung der Verbraucher fast schon Normalität“, begründet Studienautor Thomas Harms die gute Stimmung. Und solange sie keine negativen persönlichen Konsequenzen spüren würden, bleibe die Krise daher relativ abstrakt und weit weg.

Zufriedenheit wächst

Tatsächlich zeigt sich ein Großteil der Deutschen mit der eigenen finanziellen und wirtschaftlichen Lage zufrieden. 41 Prozent bewerten sie als gut. Zu Beginn des vergangenen Jahres lag dieser Wert noch bei 37 Prozent, Anfang 2008 sogar nur bei 24 Prozent. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Unzufriedenen auf zehn Prozent halbiert. Und die Zahl der Optimisten könnte im Jahresverlauf noch weiter steigen. Denn schon gut jeder fünfte Bundesbürger geht von einer Verbesserung seiner persönlichen Finanzlage aus. Bei den jungen Verbrauchern unter 35 Jahren ist es sogar fast jeder zweite.

Aufgeteilt nach Einkommensklassen, sind es vor allem die Gutverdiener, die mit Vorfreude auf das neue Jahr blicken. Während in den Haushalten mit einem Nettoeinkommen von mehr als 50.000 Euro 31 Prozent mit einer besseren persönlichen Finanzlage rechnen, sind es in der Einkommensklasse unter 25.000 Euro nur noch 20 Prozent. Insgesamt erwarten die Verbraucher für 2013 ein Einkommensplus von durchschnittlich 0,3 Prozent.

Hauptgrund für die allgemein große Zuversicht ist der Umfrage zufolge der stabile Arbeitsmarkt in Deutschland. Immerhin 88 Prozent der 2000 befragten Konsumenten glauben, dass der eigene Job sicher ist. 57 Prozent halten ihn sogar für sehr sicher – mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008. „Verbraucherzufriedenheit und Konsumbereitschaft fußen zu einem hohen Anteil auf Arbeitsplatzsicherheit“, erklärt Experte Harms. Diese Zufriedenheit erweise sich daher als stabilisierender Faktor in der aktuellen Schwächephase der Konjunktur. Das hatte sich gerade erst im Weihnachtsgeschäft vor wenigen Wochen gezeigt. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) haben die Bundesbürger in den Wochen vor dem Fest für 80,4 Milliarden Euro eingekauft, das waren nominal 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Und das, obwohl die Verbraucher für Deutschland insgesamt eher schwarzsehen: Nur 13 Prozent der Konsumenten sind der Überzeugung, dass sich die Wirtschaftslage in der Bundesrepublik im neuen Jahr verbessern wird, 38 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung. Als Grund nennen sie neben der europäischen Schuldenkrise auch die hohen Energiepreise.

Ein Widerspruch zur geringen Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes muss das aber nicht sein. Das zeigt der Umgang mit der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009. „Die Unternehmen konnten die Krise so gut meistern, weil sie die Beschäftigung weitgehend stabil gehalten haben“, sagt Thomas Harms. „Im Aufschwung 2010 konnten sie dann mit eingespielten Teams an den Start gehen und direkt von dem starken Anstieg der weltweiten Nachfrage profitieren.“ Der Experte von Ernst&Young rechnet daher auch jetzt damit, dass die Unternehmen alles daransetzen werden, Entlassungen zu vermeiden.

Keine Spur von Konsumverzicht

Dennoch wollen die Deutschen 2013 zunächst Vorsicht walten lassen, zumindest bei großen Einzelanschaffungen. Jeder Zweite will auf größere Investitionen wie den Kauf eines Autos verzichten, und auch Renovierungen müssen warten. Im Kleinen dagegen wollen es sich die Verbraucher der Umfrage zufolge gut gehen lassen. „Konsumverzicht steht nicht auf der Tagesordnung. Im Gegenteil: Die Menschen wollen sich durchaus etwas gönnen“, sagt Harms, der bei Ernst&Young das Handelsteam leitet. Bei Kleidung zum Beispiel dürfte das Geld eher locker sitzen. Und für Lebensmittel wollen die Deutschen sogar deutlich mehr Geld ausgeben. „In der Gesellschaft sind die Ansprüche an Qualität und Herkunft von Lebensmitteln gestiegen. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder.“

Zu einer Gefahr für Stimmung und Konsumlaune könnten in den kommenden Monaten aber die hohen Energiepreise werden. Die stehen im Sorgen-Ranking der Konsumenten laut der Umfrage ganz oben. Immerhin 85 Prozent der Befragten haben Angst vor steigenden Benzin-, Strom- und Heizkosten. „Die Energiepreise stellen für die deutschen Haushalte eine erhebliche Belastung dar – und deswegen auch eine Gefahr für die Konjunktur“, bestätigt Harms. „Denn was die Menschen für eine Tankfüllung ausgeben, steht an anderer Stelle nicht mehr für den privaten Konsum zur Verfügung.“ Der aber dürfte als Stütze der deutschen Binnenkonjunktur auch im Jahr 2013 sehr wichtig sein.

Grund für Zuversicht bieten auch Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Demnach könnten 2013 bundesweit 150.000 neue Jobs im Mittelstand entstehen. 30.000 davon sollen in Ostdeutschland entstehen, wie die Zeitschrift „SuperIllu“ berichtet. Die 25.000 dafür zu ihrer wirtschaftlichen Lage befragten Unternehmen hätten der schwarz-gelben Bundesregierung jedoch zugleich ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Im Vergleich zum Frühsommer habe die Bundesregierung aus Sicht der Unternehmen deutlich an Vertrauen verloren.

Dem Bericht zufolge hatten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen damals 35 Prozent der Chefs verunsichert. Jetzt seien es 40 Prozent. „Zunehmend sehen kleine und mittelständische Unternehmen in der aktuellen Wirtschaftspolitik ein Risiko für ihre Geschäfte“, sagte der scheidende DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der „SuperIllu“. Driftmanns Amtszeit endet. Sein Nachfolger soll der Berliner Unternehmer Eric Schweitzer, Chef der Alba-Gruppe, werden.