Zinssätze

Abschlag bei Lebensversicherungen

Der Bundesrat verabschiedet die umstrittene Härtefallregelung. Kunden drohen Einbußen

Für Lebensversicherer sind die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten zunehmend ein Problem. Der Bundestag hat daher eine Entlastung für sie beschlossen. Allerdings drohen Kunden dadurch Einbußen. Eine Härtefallregelung soll zu hohe Verluste verhindern.

Warum leiden die Lebensversicherer unter den niedrigen Zinsen?

Lebensversicherer müssen das Geld ihrer Kunden sicher anlegen. Deshalb investieren sie vor allem in festverzinsliche Wertpapiere. Vor Jahren konnten zum Beispiel mit deutschen Staatsanleihen Renditen von 6 Prozent erzielt werden. Heute bringen solche Papiere Zinserträge zwischen 1 und 2 Prozent. Im Durchschnitt mussten die Versicherer aber 2012 etwa 3,2 Prozent erwirtschaften, um auch die höheren Zusagen aus früheren Jahren zu erfüllen.

Wie sollen die Versicherer entlastet werden?

Die Versicherer müssen ihre Kunden derzeit noch zur Hälfte an den sogenannten Bewertungsreserven beteiligen. Dabei handelt es sich um theoretische Gewinne, die durch die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem heutigen Kurswert eines Papiers entstehen. Wegen der niedrigen Zinsen ist diese Differenz derzeit besonders hoch. Müssten die Konzerne die alten Papiere heute verkaufen, um die Ansprüche von Kunden zu erfüllen, wären sie gezwungen, anschließend deutlich schlechter verzinste Papiere kaufen. Daher wird nach der im November vom Bundestag beschlossenen Gesetzesänderung die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven begrenzt. Dadurch sollen die Versicherer laut Bundesregierung in die Lage versetzt werden, auch ihre langfristigen Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden noch erfüllen können. In Kraft tritt die Regelung am 21. Dezember.

Wie viel macht die Beteiligung an der Bewertungsreserve aus?

Bei der Auszahlung einer Lebensversicherung schlagen die garantierte Leistung, die Überschussbeteiligung und die Beteiligung an den Bewertungsreserven zu Buche. Die Bewertungsreserven machen dabei laut Bundesregierung etwa fünf Prozent des Gesamtvolumens aus. Laut Gesamtverband der deutschen Versicher- ungswirtschaft (GDV) gibt es hier im Einzelfall große Unterschiede.

Was bedeutet die Gesetzesänderung für Kunden?

Für die Kunden sind das eher schlechte Nachrichten. Denn sie bekommen weniger Geld. Betroffen sind nach Angaben des Bundes der Versicherten nicht nur Kunden mit einer Kapitallebensversicherung, sondern auch Verbraucher, die eine Rentenversicherung oder eine Riester-Police haben. Besonders sichtbar werden die Einbußen bei Kunden, deren Vertrag 2013 und 2014 ausläuft. Wie hoch die Einbußen im Einzelfall sein werden, lässt sich nach Angaben der Bundesregierung nicht sagen. Denn dazu seien die Tarife und die Laufzeiten der einzelnen Versicherungsverträge zu unterschiedlich. Gleiches gelte für die Bewertungsreserven der Versicherungen.

Was soll die Härtefallregel bewirken?

Die Folgen für die Versicherten sollen nach dem Willen der Bundesregierung begrenzt werden. Mit der Härtefallregelung soll die Absenkung der Beteiligung gedeckelt werden. Das führe dazu, dass Versicherte bei der Auszahlung ihrer Police im Schnitt maximal einen Abschlag von 5Prozent in Kauf nehmen müssten. Laut Bund der Versicherten können die Einbußen aber auch höher sein. Bis zu 8 Prozent Abschlag drohen laut dem Verband im Einzelfall. Die Verordnung soll bereits an diesem Freitag dem Bundesrat vorliegen, so dass sie zeitgleich mit dem Gesetz am 21. Dezember in Kraft treten kann.