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Investor zahlt 1,1 Milliarden Euro für Berliner Immobilienfirma TLG

Der Bund hat den Verkauf seiner milliardenschweren Berliner Immobiliengesellschaft TLG perfekt gemacht.

Die Gewerbesparte aus Büros, Einzelhandelsflächen und Pflegeheimen geht für 1,1 Milliarden Euro inklusive Schulden an den US-Finanzinvestor Lone Star. In Berlin gehören der TLG unter anderem die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg und der Geschäfts- und Hotelkomplex „Die Welle“ am Alexanderplatz. Bereits im November hatte der Hamburger Immobilienkonzern TAG für knapp eine halbe Milliarde Euro den Zuschlag für die 11.300 Wohnungen der TLG bekommen. Damit kann Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nun einen Schlussstrich unter die größte Privatisierung seit fünf Jahren ziehen. Ein erster Versuch war auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 gescheitert.

TLG ist ein Erbe der Treuhandanstalt. Das Unternehmen sollte ursprünglich staatseigene Grundstücke privatisieren, ist aber seit einigen Jahren auch als Projektentwickler aktiv. Das Unternehmen arbeitet profitabel. 2011 hatte sie ein Rekordergebnis von 41 Millionen Euro eingefahren. Für die Zentrale in Berlin arbeiten knapp 300 Mitarbeiter. Lone Star plant nach Angaben des Finanzministeriums, das TLG-Geschäft weiter auszubauen. Allerdings wird erwartet, dass der Investor einen Teil der verstreuten 780 Immobilien verkaufen wird. Der Finanzinvestor ist sehr immobilienaffin. Ihm gehören mit der Mittelstandsbank IKB und den beiden Immobilienfinanzierern DHB und Corealcredit gleich drei Finanzinstitute.

Die Übernahme der TLG-Gewerbeimmobilien stemmte Lone Star mit Hilfe der US-Bank Citi. Der Verschuldungsgrad der TLG Immobilien steigt nach dem Eignerwechsel zwar an, liegt laut Verhandlungskreisen aber weiter unter 60 Prozent und damit auf einem branchenüblichen Niveau. Normalerweise bürden angelsächsische Finanzinvestoren – hierzulande als „Heuschrecken“ gebrandmarkt – den übernommenen Firmen sehr hohe Schulden auf.