Rekordzahlung

Höchststrafe für britische Großbank HSBC

Es ist ein Rekord in jeder Hinsicht.

Nicht nur, dass Großbritanniens größte Bank HSBC mit umgerechnet 1,5 Milliarden Euro die höchste Strafe zahlen muss, die je gegen ein Kreditinstitut auf der Welt verhängt wurde. Die Bank schaffte es auch, sich binnen kürzester Zeit vom absoluten Saubermann der Branche zum Problemfall mit schwieriger Vergangenheit zu wandeln.

Der Skandal kam im Juli ins Rollen, als der US-Senat einen 340 Seiten starken Bericht über HSBC vorlegte. Ausgerechnet die als vorbildlich geltende Bank habe sich jahrelang als Geldwäscher für „Drogenbarone und Schurkenstaaten“ verdingt. Unter anderem soll das Institut kubanischen, nordkoreanischen und iranischen Unternehmen geholfen haben, Geld in die USA zu schleusen. Auch für mexikanische Drogenbarone transferierte HSBC ungeprüft Milliarden über die US-Grenze.

Einen Tag zuvor hatte bereits der britische Konkurrent Standard Chartered eine Strafe der US-Behörden akzeptiert. Die Bank zahlt wegen umstrittener Geschäfte mit Firmen im Iran, Sudan, in Birma und Libyen insgesamt umgerechnet 510 Millionen Euro.

Die jüngsten Einigungen sind das Resultat jahrelanger Ermittlungen der amerikanischen Behörden. Die USA verdächtigen zahlreiche internationale Großbanken, US-Handelssanktionen bewusst oder durch Schlampigkeit gebrochen zu haben. Auch Commerzbank, Hypovereinsbank und Deutsche Bank stehen unter Verdacht. Bislang endeten alle Fälle mit juristischen Vergleichen. Die Kreditinstitute wollen Gerichtsprozesse vermeiden, um den Imageverlust so gering wie möglich zu halten. In den vergangenen fünf Jahren nahmen US-Behörden so umgerechnet fast vier Milliarden Euro ein.

Auch HSBC war an einer schnellen Einigung gelegen. Das Institut leugnete die Vorwürfe nicht. Sofort nachdem der Senat den Bericht veröffentlicht hatte, entschuldigte sich die Bank. Die nun vereinbarte Rekordstrafe ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen mit dem US-Justizministerium. „Wir akzeptieren unsere Verantwortung für unsere Fehler aus der Vergangenheit“, sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver. Die Bank habe zwischen 2004 und 2010 zu schwache Geldwäschekontrollen gehabt und dabei versagt, unakzeptables Verhalten zu erkennen. HSBC sei jedoch heute vollkommen anders. In den vergangenen zwei Jahren habe die Bank 220 Millionen Euro investiert, um etwaige Geldwäschegeschäfte sofort aufzuspüren und zu stoppen.

Gulliver übernahm den Chefsessel 2010, etwa zu der Zeit, als die Ermittlungen des US-Senats begannen. Gleichzeitig ging Verwaltungsratschef Stephen Green, der für das gute Image der Bank verantwortlich war. Der Manager galt als das Gewissen der Branche. Sonntags stieg er sogar als Laienprediger auf die Kanzel. Vor zweieinhalb Jahren veröffentlichte er das Buch: „Wahre Werte. Über Moral, Geld und die Zukunft“. Darin ging er mit der Finanzbranche und seinen bonuslechzenden Kollegen hart ins Gericht.