Provinzial Nordwest

Versicherungschef fingiert Angriff auf sich selbst

Skurrile Wende im Gezerre um die Zukunft des Sparkassenversicherers Provinzial Nordwest

Vergangene Woche noch hat eine Attacke mit einem Schraubenzieher auf Vorstandschef Ulrich Rüther die Allgemeinheit entsetzt. Nun stellt sich heraus: Alles nur erfunden. Rüther habe sich die Verletzungen im Brustbereich, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, selbst zugefügt, berichteten Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft. Er habe dies zugegeben. Er begründete demnach sein Verhalten „mit den enormen Auswirkungen der Turbulenzen bei der Provinzial auf seine Familie“. Man ermittle nun gegen ihn wegen des Vortäuschens einer Straftat, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck. Die Staatsanwaltschaft will diese Ermittlungen gegen eine „angemessene Geldbuße“ einstellen.

Rüthers berufliche Zukunft könnte am seidenen Faden hängen. Denn die fingierte Attacke war mitten in die Verkaufsgespräche für die Provinzial Nordwest geplatzt. Betriebsratsmitgliedern zufolge interessierte sich der Allianz-Konzern für den Konkurrenten. Rüther hätte vergangenen Mittwoch an einer Betriebsversammlung der zweitgrößten öffentlichen Versicherung teilnehmen sollen, auf der die Belegschaft über Verkaufsabsichten der Provinzial-Nordwest-Eigentümer informiert werden sollte. Man kann davon ausgehen, dass er mit kritischen Fragen konfrontiert worden wäre. Dazu kam es nicht, weil der 44-jährige Rüther nach der vermeintlichen Attacke am Mittwochmorgen in die Klinik musste.

Berichte über den Angriff hatten bundesweit Schlagzeilen gebracht. Die Polizei Münster hatte eine zwölfköpfige Ermittlungskommission eingesetzt. Die Übernahmepläne der Allianz sind derweil gestoppt. Die nordrhein-westfälische Landesregierung sowie die Sparkassen- und Landschaftsverbände des Bundeslandes einigten sich darauf, über eine Fusion des Versicherers mit der Provinzial Rheinland zu verhandeln, die ebenfalls zum Sparkassenlager gehört.