EU-Krise

Griechenland kauft eigene Schulden zurück

Bedingung für weitere Hilfszahlung damit erfüllt

– Griechenland hat im Kampf gegen die Schuldenkrise offenbar eine entscheidende Hürde genommen: Der geplante Anleiherückkauf von 30 Milliarden Euro sei „gut gelaufen“, sagte Regierungschef Antonis Samaras am Sonntagabend. Zahlen und Einzelheiten nannte er nicht – offensichtlich wird in Athen noch gerechnet, wie viele Anleihen der Staat vom Markt nehmen konnte. „Ich bin zuversichtlich, bis Montag oder Dienstag mit großer Sicherheit sagen zu können, dass die Sache sehr gut gelaufen ist“, sagte Samaras nach einem Treffen mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in München. Mit dem Rückkauf will die griechische Regierung ihren Schuldenstand auf einen Schlag um 20 Milliarden Euro senken. Seinem Land werde es nun dadurch gelingen, die Banken zu rekapitalisieren und fällige Schulden in Höhe von neun Milliarden Euro an Privatpersonen zahlen zu können, sagte Samaras; außerdem werde es gelingen, die private Wirtschaft an großen Projekten zu beteiligen.

Damit dürfte auch der Auszahlung dringend benötigter Milliardenhilfen der Euro-Partner nichts mehr im Weg stehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stimmte die deutschen Steuerzahler darauf ein, dass die neuen Hilfen den Bundeshaushalt auf längere Sicht mit einer Milliardensumme belasten werden. Die Opposition hatte der Regierung wiederholt mangelnde Ehrlichkeit bei der Griechenland-Rettung vorgehalten.

Das Rückkaufprogramm richtete sich ausschließlich an private Gläubiger des griechischen Staats. Die Frist zur Annahme des Angebots lief am Freitag ab. Das Angebot traf offenbar auf Interesse bei griechischen und ausländischen Haltern von Staatsanleihen – darunter Hedgefonds. Die griechischen Banken, die rund 17 Milliarden Euro an Staatspapieren von den insgesamt gut 60 Milliarden Euro der im privaten Besitz befindlichen Anleihen halten, hatten bereits ihre Teilnahme angekündigt. Und auch ausländische Investoren haben sich nach Zeitungsberichten bereit erklärt, 15 bis 16 Milliarden Euro an Anleihen an die Regierung zu verkaufen.

Mit dem Rückkaufprogramm könnte die griechische Regierung auf Basis der gebotenen Preise und des Kaufumfangs ihre Schuldenlast um fast 20 Milliarden Euro verringern. Das hilft langfristig beim Abbau des Schuldenberges, der für das Land zumindest wieder einigermaßen tragbar sein muss – eine für den Internationalen Währungsfonds (IWF) zentrale Anforderung. Griechenland wird außerdem kurzfristig von Zins- und Tilgungszahlungen entlastet. Mit dem Schuldenrückkauf ist eine wesentliche Bedingung erreicht, um dem Land weitere Entlastungen im Bereich von Zinsen, Kreditlaufzeiten und Stundungen zu sichern, auf die sich die Euro-Länder und der IWF kürzlich verständigt hatten. Insgesamt haben all die Hilfen einen Umfang von etwa 40 Milliarden Euro. Formal darüber entscheiden wollen die Euro-Finanzminister am kommenden Donnerstag.