Geldanlage

Geldregen zum Fest

Münzen sind als Geschenk mit Werterhalt beliebt. Doch es gibt einiges zu beachten

In der Euro-Krise entdecken immer mehr Menschen, dass Sammeln auch zum Erhalt ihres Vermögens beitragen kann. Ganz oben auf der Liste stehen Münzen. Denn die Geldstücke sprechen mehrerlei menschliche Instinkte auf einmal an. Zum Drang des Hortens, Zusammenstellens und Vervollständigens einer Kollektion kommt die sinnliche Erfahrung mit dem Material und den Motiven der Münzen. Hinzu gesellt sich die Gewissheit, einen unvergänglichen Wert in Händen zu halten, und das im wörtlichen Sinn. Gerade in der Adventszeit schlagen viele bei Münzen zu. Das gilt umso mehr für ein Jahr, in dem sich die Edelmetallpreise an den Rohstoffbörsen gut entwickelt haben. Der Goldpreis ist das zwölfte Jahr in Folge im Plus und steht aktuell neun Prozent höher als zu Jahresanfang, Silber hat doppelt so stark zugelegt.

„Die meisten Sammler sehen ihre Münzen nicht als Investment, aber die Schätze können sich im Nachhinein sehr wohl als gutes Investment erweisen“, sagt Hubert Lanz, ein Veteran des Münzhandels in Deutschland. Auch beim Sammeln können Anleger aber danebenliegen. Ein Stück Metall kann zwar im strengen Sinn nie wertlos werden. Unbedarfte Käufer können aber leicht mehr Geld ausgeben, als eine Münze fairerweise wert ist. Soll das gute Stück dann später verkauft werden, machen sie oder ihre Erben Verluste. „Für die Mehrzahl der Sammler stellen Münzen keine Geldanlage dar. Sie lassen sich zumeist von ihrem geschichtlichen Interesse leiten, oder sie sind vom ästhetischen Reiz fasziniert“, sagt Benjamin Summa vom Edelmetall-Handelshaus ProAurum.

Der größte Anfängerfehler besteht darin, eine Münze mit einer Medaille zu verwechseln. Medaillen kann jeder prägen, also auch ein Privatunternehmen. Münzen sind dagegen von einem Staat oder einem Herrscher mit einem bestimmten Nennwert (oder Nominal) herausgegeben worden. Medaillen haben keinen Nennwert und fungierten nie als Zahlungsmittel. Die Auflagen sind bei Medaillen zwar in der Regel klein, ein echter Sammlerwert erwächst daraus aber nicht unbedingt. Denn solche Prägungen haben keine historische Bedeutung. Der Wert der Metallplättchen bemisst sich am Ende also allein nach dem Materialwert. Und der kann durchaus geringer sein, als es auf den ersten Blick erscheint. Vermeintliche Silberlinge zum Sonderpreis erweisen sich beim Lesen des Kleingedruckten zuweilen als billige Kupferplättchen mit Silberüberzug. Bei marktschreierischer TVWerbung und Wurfsendungen sollten Verbraucher kritisch werden.

Klassiker Krügerrand

Bei echten Münzen, die von einem Staat oder Herrscher als Zahlungsmittel ausgegeben wurden, ist zwischen Anlagemünzen und Sammlermünzen zu unterscheiden. Anlagemünzen aus Gold und Silber sind eine relativ junge Entwicklung aus der Zeit, als Edelmetall für den täglichen Geldverkehr schon keine Bedeutung mehr hatte. Durchgesetzt haben sie sich erst seit den Siebzigerjahren. Die vielleicht bekannteste Anlagemünze ist der südafrikanische Krügerrand, den es mit dem traditionellen Feingewicht von einer Unze (31,1 Gramm) Gold sowie als halbe, Viertel- und Zehntel-Unze gibt. Andere gängige Münzen sind Wiener Philharmoniker, Maple Leaf, Eagle und Panda. Eine Unze in Gold kostet aktuell circa 1360 Euro, eine halbe Unze ist für etwas über 700 Euro zu haben. Eine 31,1 Gramm schwere Münze in Silber kostet je nach Prägung 28 bis 35 Euro. Goldmünzen sind in der Regel steuerfrei, bei Silbermünzen fallen sieben Prozent Mehrwertsteuersatz an. 2014 soll der Satz jedoch im Zuge einer EUHarmonisierung auf 19 Prozent steigen.

Anders als bei Anlagemünzen ist bei Sammlermünzen der Materialwert in aller Regel sekundär. „Bei historischen Münzen zahlt der Investor gehörige Aufschläge“, sagt der Edelmetall-Experte Thorsten Schulte, auch bekannt als „Der Silberjunge“. Viel wichtiger sind Faktoren wie eine künstliche (attraktive) Gestaltung, Seltenheit und nicht zuletzt Erhaltungsgrad. Besonders gefragt sind Fehlprägungen und historische Kuriositäten. Die ältesten Münzen wurden im kleinasiatischen Königreich Lydien im siebten Jahrhundert vor Christus geschlagen. Fast genauso alt ist das Sammeln der Stücke. Der römische Kaiser Augustus soll einer der Ersten mit einer riesigen Kollektion gewesen sein. Als altes Zahlungsmittel ist eine Münze aus Antike und Mittelalter durch potenziell Hunderte oder gar Tausende Hände gegangen. Entsprechend groß kann die Abnutzung sein, die den Wert der Stücks potenziell mindert.

Die Münzkunde hat ein eigene Sprache für den Erhaltungsgrad. Verwirrenderweise steht das Wort „schön“ (Abkürzung s) in diesem Jargon für eine wenig schöne Erhaltung. Bei Sammlern begehrt sind alte Geldstücke in „sehr schönem“ (ss) oder besser noch „vorzüglichem“ (vz) Zustand. Bei in jüngerer Zeit geprägten Münzen kommt noch der Erhaltungsgrad „Stempelglanz“ (st) dazu. Generell gilt: Je besser der Zustand, desto begehrter und desto höher der Wert. Für Sammelneulinge besteht die Schwierigkeit darin, einzuschätzen, ob ihnen eine Münze zum fairen Preis angeboten wird oder nicht. Orientierung bieten Zeitschriften wie die „MünzenRevue“ oder „Money Trend“ und Bücher wie der „Kleine Deutsche Münzkatalog“ oder Kurt Jaegers „Die Deutschen Münzen seit 1871“.

Für Einsteiger eignen sich zum Beispiel die silbernen Fünf-Mark-Stücke aus der Kaiserzeit. Jeder Bundesstaat des Deutschen Reichs (1871–1918) durfte seinen eigenen Regenten auf die Rückseite der Münze prägen, woraus sich eine Vielfalt schöner Stücke ergibt. Die Münzen mit einem Edelmetallgehalt von 25 Gramm sind schon ab circa 30 Euro zu haben. Ebenfalls beliebt sind Drachmen aus dem alten Griechenland. Viele Stücke sind gar nicht so teuer, wie man bei einem Alter von 2000 Jahren denken könnte. „Aus der Antike sind Millionen von Münzen erhalten geblieben“, sagt Lanz. Es sei ein sehr dankbares Sammelgebiet. Solche Drachmen behalten ihren Wert.

Ein Sonderfall stellen Zehn-Euro-Sondermünzen der Bundesrepublik Deutschland dar. Sie waren eigentlich als reine Sammelmünzen aus Silber gedacht: Der Materialwert der Münzen sollte deutlich unter dem Nennwert liegen, sodass das ausgebende Finanzministerium beim Verkauf einen Gewinn macht. Zum Verdruss des Ministeriums stieg der Silberpreis jedoch über den Ausgabepreis von zehn Euro. Vor zwei Jahren zog das Ministerium dann die Reißleine und stieg auf eine Legierung mit unedlen Metallen um. Die alten, bis 2010 herausgegebenen Zehn-Euro-Münzen haben einen Materialwert von rund 13,60 Euro.