Finanzierung

Mehr Sicherheit für Anleger offener Immobilienfonds

Hunderttausende Anleger offener Immobilienfonds hat es in der Finanzkrise kalt erwischt.

Zahlreiche Fonds wurden eingefroren oder aufgelöst, und noch immer warten viele Anleger auf ihr Geld. Damit sich das nicht wiederholt, gelten ab 2013 schärfere Vorschriften mit neuen Regeln zu Mindesthaltedauer, Rückgabefrist und Freibeträgen. „Die neuen Vorschriften passen zu dem langfristigen Investment, und für Anleger bedeutet das ein Stück mehr Sicherheit“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale.

Offene Immobilienfonds galten lange als sicheres Investment mit stabilen Erträgen. Einige Gesellschaften hatten jedoch auch institutionellen Anlegern gestattet, ihr Geld in den Fonds zu parken – mit fatalen Folgen. Als diese in der Finanzkrise ihre Gelder plötzlich abzogen, gerieten die Gesellschaften in Liquiditätsnot. Anleger kamen nicht mehr an ihr Geld, rund ein Drittel der Fonds wurde geschlossen. Um eine solche Krise zu verhindern, gelten künftig neue Regeln.

Anleger, die ab 1.Januar 2013 in offene Immobilienfonds investieren, müssen ihre Fondsanteile mindestens zwei Jahre halten. Für vor 2013 erworbene Fonds gilt eine Frist von einem Jahr. Gleichzeitig müssen künftig alle Anleger eine Kündigungsfrist von einem Jahr einhalten, wenn sie ihre Anteile zurückgeben wollen. Innerhalb der Mindesthaltedauer und der Kündigungsfrist gibt es jedoch Freibeträge. So können Anleger künftig pro Kalenderjahr Fonds im Wert von 60.000 Euro verkaufen (30.000 Euro pro Halbjahr).

Offene Immobilienfonds erleben derzeit einen Boom. Nach Angaben des deutschen Fondsverbands BVI investierten Anleger in diesem Jahr bis Ende September 2,7 Milliarden Euro, im Vergleichszeitraum 2011 waren es 880 Millionen Euro. Grund sei das steigende Interesse der Anleger an Sachwerten, sagte ein BVI-Sprecher. Außerdem könnten Anleger schon mit relativ geringem finanziellem Aufwand von den Chancen des Immobilienmarkts profitieren. Aktuell sind 19 Immobilienfonds für Anleger geöffnet, für 2013 sind bereits erste Neuemissionen geplant.

Grundsätzlich seien offene Immobilienfonds eine empfehlenswerte Anlage, die man allerdings nur als Beimischung im Depot halten sollte, sagt Karin Baur vom Magazin „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Allerdings sollten Anleger nicht blind zugreifen, sondern sich umfassend informieren.

Wichtig sei beispielsweise, dass sich die Immobilien in verschiedenen Regionen befinden, die Mieterträge nicht auf einmal, sondern über Jahre verteilt auslaufen und die Leerstandsquote gering ist. „Ratsam ist auf jeden Fall ein Blick in die Jahresberichte der Fondsgesellschaften, denn so lassen sich Chancen und Risiken besser abschätzen“, rät Baur.