Gesundheit

Zahl der Operationen in Krankenhäusern steigt drastisch

AOK-Studie: Viele Eingriffe sind unnötig und erfolgen nur aus finanziellen Interessen. Kliniken weisen die Vorwürfe zurück

Deutschlands Kliniken haben 2011 so viele Patienten behandelt wie noch nie. 18,3 Millionen stationäre Operationen verzeichnet der AOK-Krankenhausreport, 300.000 mehr als ein Jahr zuvor. 2007 waren es noch 16,8 Millionen. Die Hälfte des Zuwachses entfällt auf Leiden des Muskel-Skelett- und des Herz-Kreislauf-Systems: Von 2007 bis 2011 gab es in diesen Bereichen 532.000 Behandlungen mehr. Die Herausgeber des Reports kritisierten vor allem, dass viele Operationen (OP) unnötig seien. Die Kliniken verbesserten damit nur ihre Einnahmen. Die Zahl der Wirbelsäulen-OPs habe sich etwa bei AOK-Versicherten zwischen 2005 und 2010 mehr als verdoppelt. Um ein Viertel in zwei Jahren sei die Zahl von Implantationen kleiner Defibrillatoren bei Herzpatienten gestiegen. Den Report erstellten AOK-Bundesverband und das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO).

Der Report kommt zu dem Schluss, dass vor allem die Zahl der für Kliniken lukrativen Operationen steigt. WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber sagte, durch das Älterwerden der Gesellschaft allein sei nur ein Drittel des Anstiegs erklärbar. „Den ökonomischen Fehlanreizen kommt eine ganz gewichtige Rolle zu“, kritisierte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Fritz Uwe Niethard. Eine Klinik verdiene an einer Wirbelsäulen-OP 12.000 Euro. Damit könnten viele Jahre Behandlung ohne OP bezahlt werden.

Eine Studie im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass es viel mehr Operationen gibt, begründet dies aber mit technischem Fortschritt und damit, dass die Deutschen älter werden und mehr behandelt werden müssen. DKG-Präsident Alfred Dänzer sagte: „Behauptungen, Krankenhäuser würden aus ökonomischen Gründen und unnötig Patienten operieren, haben keine Grundlage.“

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte: „Der Anreiz, Menschen zu operieren, darf nur darin bestehen, dass die Operation medizinisch notwendig ist.“ Die Regierung habe Krankenkassen und Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, „die Mengenentwicklung in den Kliniken wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Das wird bis Mitte nächsten Jahres geschehen.“ Auf dieser Basis würden, falls nötig, weitere Maßnahmen folgen. „Jede Operation, die nicht medizinisch notwendig ist, belastet außerdem den Patienten und belastet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern. Das wollen wir nicht zulassen.“