Ratingagentur

Rückschlag für die Euro-Retter

Moody’s stuft die Hilfsfonds ESM und EFSF herab. Spitzenökonomen wundert das nicht

Führende Ökonomen haben Verständnis dafür geäußert, dass die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit der Euro-Rettungsschirme ESM und EFSF herabgestuft hat. „Alle verlangen immer frühzeitige Warnungen von den Ratingagenturen. Deshalb sollte man sich jetzt nicht beschweren“, sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. Als „absolut nachvollziehbar“ bezeichnete der hannoversche Finanzwissenschaftler Stefan Homburg den Schritt.

Moody’s hatte den Rettungsschirmen am späten Freitagabend die Spitzenbewertung Aaa entzogen und ordnet der Bonität der Institutionen nunmehr die zweitbeste Note Aa1 zu. Begründet wurde dies vor allem mit der Lage in Frankreich. Moody's hatte das Land kürzlich ebenfalls von „Aaa“ auf „Aa1“ abgestuft. Das hatte die Ratingagentur damit begründet, dass sich Frankreichs langfristige wirtschaftliche Wachstumsaussichten eingetrübt hätten. Das Land habe an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, hatte Moody's geurteilt. Das wirtschaftlich angeschlagene Land sei „das zentrale Problem in Europa“, sagte IW-Chef Hüther, es brauche „ein neues Geschäftsmodell“.

Frankreich ist nach Deutschland die wichtigste Stütze der Rettungsfonds. Der Anteil der Franzosen liegt bei 20,3 Prozent. Deutschland steht hinter 27,1 Prozent der insgesamt 700 Milliarden Euro an Kapital und Garantien. Die Bundesrepublik besitzt bei allen drei großen Ratingagenturen weiterhin ein Triple-A, bei Moody's allerdings mit einem negativen Ausblick.

Der Ausblick für beide Hilfsfonds, ESM und EFSF, bleibt bei Moody’s negativ, was eine weitere Herabstufung bedeuten könnte. Das heißt, es droht eine weitere Absenkung. Damit muss Europa im Kampf gegen die Schuldenkrise nach den jüngsten Fortschritten bei der Rettung Griechenlands wieder einen herben Rückschlag wegstecken. Denn ein schlechteres Rating kann die Aufnahme von frischem Geld am Kapitalmarkt verteuern und erschweren. Allerdings ist eine Note von „Aa1“ noch immer sehr gut. Zum anderen ist Moody’s nur eine der großen Ratingagenturen. Beim Konkurrenten Fitch besitzt der Rettungsschirm weiterhin das begehrte Triple-A.

Der ESM ist der Nachfolger des zeitlich begrenzten Rettungsschirms EFSF. Der Krisenfonds gibt im Notfall an den Finanzmärkten Anleihen heraus, für welche die Euro-Länder garantieren. Das aufgenommene Geld wird dann als Kredit an bedürftige Staaten weitergegeben, die dafür Zinsen zahlen müssen. Nicht alle verstehen die Ratingagentur. „Moody’s Rating-Entscheidung ist schwer zu verstehen“, sagte der Chef des Euro-Rettungsfonds, Klaus Regling. Moody's verkenne den außergewöhnlich festen institutionellen Rahmen, die politische Rückendeckung sowie die starke Kapitalstruktur. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker stellte sich stellvertretend für die 17 Euro-Länder hinter ESM und EFSF – „politisch und finanziell“.

Die Herabstufung bestätigt nach Auffassung von Kai Konrad, Direktor des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München, aber auch „die Einschätzung, dass die Staaten in Europa finanziell am Anschlag sind – und dass der Weg, der zur Euro-Rettung begangen wird, nicht erfolgreich sein wird“. Am Freitag erst hatte der Bundestag neuen Milliardenhilfen für Griechenland zugestimmt.