Insolvenz

Schlecker verramscht sein letztes Inventar

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Hagen Seidel

Wer bietet mehr? Insolvenzverwalter ließ Bohrmaschinen und Überwachungsanlagen versteigern

Es war das eintägige Comeback eines abgestürzten Handelsimperiums: Schlecker war wieder am Markt, knapp ein halbes Jahr , nachdem als Folge der spektakulären Insolvenz die letzte der 5000 Drogeriemarktfilialen in Deutschland dichtgemacht hatte. Doch am Mittwoch wurden keine Shampoos, Waschmittel oder Hundefutterdosen angeboten, sondern Deltaschleifer, Bohrmaschinen oder Gabelhubwagen. Und es gab weder Selbstbedienung noch feste Preise. Und es gab Holger Haun, den Auktionär von der Hanseatische Industrie-Consult im Anzug, statt im weißen Schlecker-Kittel. Von zehn Uhr am Morgen an rief er 1429 Posten auf. Zehn Euro für einen Winkelschleifer von Bosch? Wer bietet mehr?

Im Minutentakt fiel der Hammer vor bis zu 800 Teilnehmern. Zu Preisen, bei denen es dem knauserigen Firmengründer Anton Schlecker wohl ganz warm ums Herz geworden wäre – wenn es nicht gerade seine eigenen Sachen gewesen wären, die da in seinem früheren Zentrallager in Ehingen-Berg billigst die Besitzer wechselten.

Lager müssen geräumt werden

Viele Teile „des beweglichen Anlagevermögens der Firma Anton Schlecker e.K.“, wie es offiziell heißt, gingen für Schnäppchenpreise zwischen 50 und 80 Euro weg. Geld, das – abzüglich der Versteigerer-Provision von 18 Prozent – den Gläubigern zugutekommt. Also jenen Opfern der Insolvenz, die durch die Zahlungsunfähigkeit des einstigen Drogeriemarktkönigs mehr als eine Milliarde Euro verloren hatten. Angesichts dieser Summe würde selbst ein Auktionserlös von über 100.000 Euro wenig am entstandenen Schaden ändern. Geld einzutreiben war aber auch nur einer der Gründe für die Versteigerung: Vor allem muss der Insolvenzverwalter Schleckers Lagerhallen leer bekommen, um sie verkaufen zu können.

Schon vor dem Start konnten die Interessierten die Teile besichtigen, den Katalog gab es im Internet. Auf der letzten Seite fiel jenes Angebot ins Auge. Los Nummer 1299 umfasste „1 Posten Videoüberwachungsanlagen, mit Security-Recordern, Bildschirmen, Verkabelung, Kameras, Steuereinheiten“. Vier Paletten voller Technik. Über den Zustand der Geräte stand im Katalog nichts. Aber da zu Schleckers Skandalen auch das Ausspionieren der Mitarbeiter gehört hatte, durfte man davon ausgehen, dass die Überwachungsanlagen nicht fabrikneu, sondern gebraucht und somit praxiserprobt waren. Wer das Spionageset ersteigert hat, wurde leider nicht bekannt.

Für die Funktionstüchtigkeit der Anlage musste der gebrauchte Zustand überhaupt nichts Negatives bedeuten. Denn bei seinen Werkzeugen und Geräten hat Schlecker, der einst wegen der Zahlung von Dumpinglöhnen zu einer deftigen Strafe verurteilt worden war, nicht gespart. Kamen doch die meisten der zu versteigernden Geräte von teuren Markenherstellern. Wie der Elektro-Rasenmäher von Gardena, die Bodenkehrmaschine von Kärcher, das Kernbohrgerät von Würth, der Schwingschleifer von Bosch oder der Aufbruchhammer von Hilti. Diese Markennamen lockten Handwerker und Gewerbetreibende aus der Nachbarschaft an, und auch manche professionelle Aufkäufer, die die Ware weiterverkaufen.

Als Beifang finden sich dann vielleicht auch noch ein paar Schnäppchen, deren Namen handwerklich eher Unbegabten etwa so viel sagen wie den Schlecker-Managern zuletzt der Begriff „Gewinnzone“: Handoberfräse, Blechknabber, Pressbacken oder eine Anemometersonde mögen jenen Freude bereiten, die etwas damit anfangen können. Skurril war die Nummer 710 des Katalogs: „1 Posten defekte Geräte“. Ob es sich dabei um Taschenrechner und andere Geräte handelt, die bei der Kalkulation in einem Handelsunternehmen hilfreich sein könnten? Und absurd ist – zumindest sprachlich – das, was unter der laufenden Nummer 400 dargeboten wird: „1 Posten Nasseimer für Trockenbau“. Wer bei der Versteigerung indes auf einen billigen Schlecker-Porsche oder die Familienvilla zum Superrabattpreis hoffte, konnte sich den Weg ins Ehinger Gewerbegebiet sparen. Denn Privates der Familie stand nicht im Katalog – das versucht der Insolvenzverwalter derzeit noch per Gericht ins Eigentum der Gläubiger zu bekommen