Studie

Preisvergleich: Zug schlägt Flieger

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Nikolaus Doll

Innerhalb Deutschlands ist man laut einer Studie des Verkehrsclubs mit der Bahn günstiger unterwegs als mit dem Flugzeug – aber nicht schneller

– Sie wollen einmal quer durchs Land und buchen daher vermutlich einen Flug. Ist schneller. Und billiger. Glaubt man oft, aber das ist falsch. Laut einer Studie, die der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Auftrag gegeben hat, sind Bahnreisen innerhalb Deutschlands im Vergleich zu Flügen überraschend preiswert. In 91,5 Prozent der untersuchten Fälle ist die Reise mit dem Zug günstiger.

Das trifft auf die eintägige Geschäftsreise, den Wochenendausflug und den vierzehntägigen Familienurlaub gleichermaßen zu. Und es spielt auch keine Rolle, ob die Tickets drei Monate, vier Wochen, eine Woche oder einen Tag vor der geplanten Reise gebucht werden. „Im Grunde ist es gar nicht nötig, innerhalb Deutschlands zu fliegen“, sagt Heidi Tischmann vom Verkehrsclub.

Der VCD hatte zwischen Mai und September 540 Tests durchführen lassen und dabei jeweils 270 Flüge mit der entsprechenden Zahl von Bahnverbindungen verglichen. Ausgewählt wurden die zehn Strecken mit dem höchsten Aufkommen an Fluggästen. Dabei kam beispielsweise heraus, dass Reisende auf der Strecke München-Frankfurt mit der Bahn im Durchschnitt nur 42 Prozent des Flugpreises zahlen, auf der Strecke Frankfurt- Hamburg sind es 57 Prozent, zwischen Hamburg und München 63,3 Prozent. Auf der Strecke Köln/Bonn-Berlin ist der Spareffekt mit 77,2 Prozent des Flugticketpreises am geringsten.

In absoluten Zahlen bedeutet das, dass Geschäftsreisende (eine Person, an Werktagen unterwegs) auf der Strecke München- Frankfurt mit der Bahn gegenüber einem Flug 135,41 Euro sparen können, zwischen Frankfurt und Hamburg 43,09 Euro und auf der Strecke Köln/Bonn- München 36,72 Euro. Aber natürlich hängt es davon ab, an welchem Tag man reist, wie viele Personen unterwegs sind und wohin sie wollen. An Wochenenden ergibt sich ein anderes Bild, dort sparen zwei Personen zwischen München und Düsseldorf mit der Bahn 333,17 Euro, auf der Strecke Köln/Bonn-München sind es 130,41 Euro. Eine vierköpfige Familie, die eine zweiwöchige Urlaubsreise unternimmt, kann zwischen Frankfurt und Hamburg den größten Spareffekt erzielen: 609,67 Euro.

Nun steht der VCD im Ruf, nicht gerade ein Freund der Flugbranche zu sein, schließlich ist er ökologischen Gesichtspunkten verpflichtet. Und gerade dabei schneidet das Flugzeug im Vergleich zur Bahn deutlich schlechter ab. Wenn der VCD also erklärt, dass der Energieverbrauch eines Fliegers auf Kurz- und Mittelstrecken – und damit der Schadstoffausstoß – 4,4 Mal größer ist als bei einem Zug, dann kann man das getrost glauben. Dass die Bahn aber auch bei den Kosten den Fliegern überlegen ist, überrascht dagegen in diesem Ausmaß doch. Schließlich kann man bei früher Buchung superbillige Flugtickets auch innerhalb Deutschlands bekommen. War also beim VCD der Wunsch Vater des Gedankens?

Offenbar nicht, denn die Methodik ist nicht in Zweifel zu ziehen. Es wurden nicht nur verschiedene Tage, Reisespannen und eine unterschiedliche Zahl an Reisenden berücksichtigt. Gewertet wurde auch, wie lange vorher gebucht wurde – einer der Hauptfaktoren, um an günstige Tickets zu kommen. Überraschenderweise rechnet sich auch für Frühbucher meistens die Bahn. Wer einen Tag vor Reisebeginn eine Fahrkarte kauft, spart natürlich mit der Bahn am meisten. Insgesamt betrachtet erreichen Wochenendreisende (vier Personen) dann mit 171 Euro das größte Sparpotenzial. Sieben Tage vor Antritt kommen Urlaubsreisende (zwei Personen) mit 151 Euro im Durchschnitt günstiger weg als Nutzer von Flugzeugen. Drei Monate vorher können Bahnfahrer immerhin noch 74 Euro im Vergleich zum Flug sparen, bei Wochenendtrips sind es 50 Euro, bei Geschäftsreisenden 36 Euro – letztere profitieren am wenigsten beim Frühbuchen mit der Bahn.

Selbst wenn der VCD eher Bahn-nah ist, muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, dass Bahn-Cards nicht berücksichtigt wurden. Im Fernverkehr hat aber rund jeder dritte Kunde eine und spart damit deutlich. Die Tester haben bei den Flugreisen zudem nicht nur die Internetportale der Airlines berücksichtigt, sondern zusätzlich professionelle Billigflugsuchmaschinen befragt, die zum Teil zu günstigeren Tarifen kommen. Verglichen wurde jeweils die Economy-Klasse der Airlines mit der zweiten Klasse der Bahn.

Nicht gewertet beim Faktor Zeit wurden hingegen die zahlreichen Verspätungen der Bahn, die höher ausfallen als bei den Airlines. Wie die Tester mit der Bahn allerdings beispielsweise auf eine Reisezeit zwischen München und Berlin von 5:42 Stunden kommen, beim Flieger dagegen auf 2:10 Stunden (Flughafen zu Flughafen) ist unverständlich – weitere Reisezeitangaben ebenfalls. Das Hauptaugenmerk habe eben auf dem Preisvergleich gelegen, heißt es dazu beim VCD.

Aber wie gut ist der in der Praxis? Ein Schnelltest auf den vom Club getesteten Strecken ergibt zum Beispiel: Einfache Strecke Köln/Bonn-Berlin in genau zwei Monaten im Flieger: 48,65 Euro mit Lufthansa (flug.de). Wobei vermutlich eine Gebühr für Kreditkartenzahlung hinzukommen dürfte. Die Bahn verlangt für diese Strecke 29 Euro. Frankfurt-Hamburg in genau einem Monat gibt es ab 59 Euro bei der Bahn. Flug.de bietet einen Lufthansa-Flug für 150,30 Euro als günstigstes Angebot. Und dann kann man in der Bahn auch noch telefonieren, im Internet surfen, im Restaurant essen – und der lästige Sicherheitscheck entfällt ebenfalls. Dennoch reicht all das nach Einschätzung des VCD nicht aus, möglichst viele Reisende aus der Luft auf den Boden zu holen. Daher fordert er Unternehmen und Verwaltungen auf, die Konsequenzen aus dem Test zu ziehen.