Energie

Deutschland spart sich eine Stromautobahn

Bundesnetzagentur legt Konzept zum Netzausbau vor. 2800 Kilometer neue Leitungen geplant

Jetzt sollen doch nur drei statt vier Stromautobahnen von Nord nach Süd durch Deutschland gebaut werden. Die Bundesnetzagentur hat die Vorschläge der vier Übertragungsnetzbetreiber überprüft und im Entwurf für den ersten nationalen Netzentwicklungsplan zusammengefasst. Einige Vorschläge wurden dabei nicht berücksichtigt. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach von einem „entscheidenden Tag für die Umsetzung der Energiewende“, als er den Plan in Berlin vorstellte. Jetzt komme es vor allem darauf an, den Ausbau des Netzes zwischen Bund und Ländern möglichst effizient zu koordinieren.

Die vier Übertragungsnetzbetreiber hatten vor einem halben Jahr ihre Vorschläge für den Netzausbau vorgelegt. Die Bundesnetzagentur prüfte sie mit fachlicher Unterstützung der technischen Universität Graz sorgfältig. Von insgesamt 74 vorgeschlagenen Maßnahmen wurden nur 51 als unbedingt notwendig eingestuft und in den Netzentwicklungsplan 2012 aufgenommen. Die Gesamtlänge der neu zu errichtenden Stromleitungen schrumpft danach von zunächst vorgesehenen 3600 auf etwa 2800 Kilometer.

Auf einer Länge von 2900 Kilometern soll das bestehende Übertragungsnetz nachgerüstet werden – 1500 Kilometer weniger, als die vier Übertragungsnetzbetreiber vorgesehen hatten. Diese waren bei ihren Planungen zum Netzausbau von Kosten von etwa 20 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren ausgegangen. Die Abstriche beim Leitungsneubau werden diese Kosten aber verringern.

Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur, sagte, der deutsche Netzentwicklungsplan werde auch auf die europäischen Nachbarn abgestimmt. Der Plan solle jedes Jahr überprüft werden. „Es kann sein, dass jetzt abgelehnte Maßnahmen wieder auf die Tagesordnung kommen“, sagte Homann.

Noch in diesem Jahr soll das Bundeskabinett ein Bundesbedarfsplangesetz verabschieden, auf dessen Basis dann tatsächlich gebaut werden kann. Matthias Machnig (SPD), Vorsitzender des Beirats der Bundesnetzagentur und Wirtschaftsminister von Thüringen, sagte: „Ohne Netzausbau kann die Energiewende nicht gelingen.“ Er forderte, die Bürger bereits vor den Entscheidungen zum Netzausbau mit einzubeziehen. Ein solches Vorgehen könne „stilbildend für andere Großprojekte sein“. Ein Kinospot unter dem Motto „Ja zum Netzausbau“ soll vom 6. Dezember an in der Bevölkerung für Akzeptanz des Leitungsbaus werben.

Zentraler Baustein des Netzentwicklungsplans sind die drei großen Leitungen zur Höchstspannungsgleichstromübertragung (HGÜ), die künftig den Windstrom aus dem Norden in die Verbrauchszentren im Westen und Süden des Landes transportieren sollen. Damit es beim Bau dieser Stromautobahnen nicht zu Verzögerungen kommt, weil in den betroffenen Ländern unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen gelten, soll die Bundesnetzagentur die Arbeiten koordinieren und auch die Zuständigkeit für das Planfeststellungsverfahren erhalten. Damit soll der Netzausbau beschleunigt werden.

Harald Uphoff, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien, sagte, die vorgelegten Ausbaupläne zeigten, dass der Netzausbau „machbar und bezahlbar“ sei. Der Verzicht auf einzelne Maßnahmen spreche für „höhere Effizienz“. Zugleich mahnte er an, die Projekte aus dem Energieleitungsausbaugesetz von 2009 umzusetzen. Diese seien notwendige Voraussetzung für den weiteren Netzausbau.