Konjunktur

Arbeitskosten steigen in Deutschland stärker als in der EU

Deutschland hat im vergangenen Jahr gegenüber anderen Euro-Ländern an Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Die Arbeitskosten hierzulande sind 2011 um drei Prozent gestiegen und damit zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende schneller als im Durchschnitt aller Länder der Euro-Zone. Dort legten die Arbeitskosten um 2,7 Prozent zu; in der gesamten Europäischen Union mit dem gleichen Tempo, wie eine Analyse des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung ergab.

Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres setzte sich dieser Trend demnach fort: Im ersten Halbjahr stiegen die Arbeitskosten in Deutschland um 2,2 Prozent und im Durchschnitt der Euro-Länder um 1,8 Prozent. Steigende Arbeitskosten verteuern in der Regel Exportgüter und sorgen dafür, dass eine Volkswirtschaft preislich weniger wettbewerbsfähig ist.

Jede geleistete Arbeitsstunde kostete private Arbeitgeber in Deutschland 2011 im Schnitt 30,10 Euro. Höher sind die Kosten nur in sechs weiteren Ländern der EU: in den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich, Dänemark, Schweden und Belgien. Belgische Firmen mussten 39,90 Euro pro Stunde zahlen. Am unteren Ende des Vergleichs liegt Bulgarien mit 3,50 Euro pro Stunde. Portugal ist gemessen an den Arbeitskosten das günstigste Euro-Land; dort kostet eine Arbeitsstunde zwölf Euro.

Die IMK-Forscher halten den Anstieg im vergangenen Jahr allerdings nicht für bedenklich und verweisen darauf, dass die Arbeitskosten hierzulande lange weniger stark gestiegen sind als bei den europäischen Nachbarn. Von der Jahrtausendwende bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2008 seien die Arbeitskosten in Deutschland nur um 1,8 Prozent gestiegen, im Schnitt der Euro-Länder allerdings sogar um drei Prozent.

„Höhere Löhne bei stabiler Beschäftigungsentwicklung schaffen die Voraussetzungen für einen relativ kräftigen privaten Konsum“, sagte Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Der stützt die deutsche Konjunktur.“ Tatsächlich gehörten zuletzt die Ausgaben der privaten Haushalte zu den Haupttreibern des Wachstums.