Technikprobleme

Schadensbegrenzung zwischen Siemens und der Bahn

Geplatzte ICE-Lieferung sorgt weiter für Spannungen

Nach dem geplatzten Liefertermin für acht neue ICE-Züge bemüht sich Siemens mit seinem Kunden Deutsche Bahn um eine schnelle Lösung der Probleme. „Wir standen und stehen in einem engen Austausch mit der Bahn“, sagte ein Siemens-Sprecher am Freitag. Bei der Bahn hieß es, auf Arbeits- und Vorstandsebene werde ständig miteinander gesprochen. Deshalb sei auch kein Krisentreffen auf Vorstandsebene nötig, das einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge bis Weihnachten stattfinden soll. Auf der Agenda sollten dem Bericht zufolge unter anderem Beratungen über einen möglichen Schadenersatz und das weitere Vorgehen wegen der Lieferverzögerung stehen. Sprecher beider Großunternehmen sagten jedoch am Freitag, von einem solchen Treffen sei ihnen nichts bekannt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube wegen des Liefertermin-Debakels zuvor einen Brief an Siemens-Chef Peter Löscher geschrieben.

Die verzögerte Lieferung der acht fest zugesagten neuen ICE-Züge wird offenbar jedoch Thema einer Spitzenrunde der Bahnindustrie mit der Deutschen Bahn AG Mitte Dezember. Das bestätigten Teilnehmerkreise in Berlin. Von einem „Gipfel“ eigens wegen der Lieferverzögerung um mehrere Monate wollten sie allerdings nicht sprechen. Das Treffen beschäftige sich auch mit anderen vergleichbaren Fällen. Denn nicht nur Siemens, sondern auch andere Hersteller von Schienenfahrzeugen hatten in jüngster Zeit Lieferschwierigkeiten wegen Zulassungsproblemen. Der Berliner Hersteller Bombardier brauchte Jahre für Betriebserlaubnisse für seine Regionaltriebzüge vom Typ Talent 2 für die DB AG. Die Konkurrenten von Stadler Pankow können Doppelstocktriebzüge für die Privatbahn ODEG nicht rechtzeitig zum Fahrplanwechsel am 9.Dezember liefern.

Mangel an der Sicherheitstechnik

Siemens hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass acht neue ICE 3 des Typs Velaro nicht wie geplant von Dezember an eingesetzt werden können. Grund dafür sind Mängel bei der Software für die Leit- und Sicherungstechnik. Die ersten ICE-Züge dürften nun nach Einschätzung der Bahn frühestens in zwei Monaten eingesetzt werden. Siemens nannte keine Auslieferungstermine. Das Fehlen der acht Züge, die bereits Ende 2008 bestellt wurden, könnte sich für die Bahn besonders bemerkbar machen, wenn sie Zugausfälle im kommenden Winter ausgleichen muss. Dann hat sie nur wenige Reservezüge. Die Bahn hat nun auch weniger Möglichkeiten, etwa im Weihnachtsverkehr Sonderzüge zur Verstärkung einzusetzen. Das bedeutet unterm Strich volle Züge an Tagen mit vielen Reisenden.

Auch bei der Modernisierung der 63 ICE 3, die schon seit Jahren unterwegs sind, gibt es eine weitere Verzögerung. In der Flotte sollen alle rund 1200 Antriebsachsen nach und nach ausgetauscht werden. Das würde die Bahn entlasten. Denn die neuen Achsen müssen nach Bahnangaben nur noch alle 160.000 Kilometer per Ultraschall durchleuchtet werden. Bisher ist das aus Sicherheitsgründen alle 30.000 Kilometer nötig, entsprechend länger sind die Aufenthalte in der Werkstatt.

Noch im Sommer hieß es, dass bis zum Fahrplanwechsel am 9.Dezember zehn der Hochgeschwindigkeitszüge umgerüstet sein sollten. Daraus wurde nichts, weil das Eisenbahn-Bundesamt die neuen Achsen nicht zugelassen hat. Die Bahn hofft darauf, dass dies bis zum Jahresende geschehen wird. Die Austauschaktion wird gut zwei Jahre dauern, weil die Bahn möglichst wenige Züge aus dem laufenden Betrieb herausnehmen will.