Optimismus

Deutsche Wirtschaft hofft wieder

Ein halbes Jahr lang hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft immer weiter eingetrübt – jetzt ist die Talfahrt gestoppt

In der deutschen Wirtschaft macht sich Hoffnung auf ein Ende der Konjunkturflaute breit. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November überraschend um 1,4 auf 101,4 Punkte. Damit endete die Serie von sechs Rückgängen in Folge. „Die deutsche Konjunktur stemmt sich gegen die Euro-Krise“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Freitag zu der Umfrage unter 7000 Managern. Die Stimmung in den Chefetagen besserte sich wegen steigender Exporte und der Aussicht auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Experten sehen die Wirtschaft aber noch nicht über dem Berg und erwarten im vierten Quartal eine Stagnation.

Die Manager beurteilten sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser. Die Stimmung hellte sich mit Ausnahme der Dienstleister in allen Bereichen auf – von der Baubranche über den Groß- und Einzelhandel bis hin zur Industrie. Dort drehten die Exporterwartungen nach drei Monaten erstmals wieder in den positiven Bereich. „Auftragslage und Nachfrage stabilisieren sich“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. „Die Exporte in die USA und nach Asien scheinen gut zu laufen.“ Der Handel rechnet angesichts der Rekordbeschäftigung und steigender Löhne mit einem ordentlichen Jahresendspurt. „Für das Weihnachtsgeschäft sind die Einzelhändler optimistisch“, sagte Wohlrabe.

Experten hatten aufgrund der Verunsicherung in der Wirtschaft durch die Euro-Krise und die schwächere Weltkonjunktur mit einer weiteren Abschwächung des Ifo-Indexes gerechnet. Zuletzt habe es jedoch aus den USA und China wieder etwas bessere Zahlen gegeben. Dadurch spürten die deutschen Unternehmen wieder etwas mehr Rückenwind.

Allerdings warnt das Ifo-Institut vor übertriebener Zuversicht. Im vierten Quartal sei kaum Wachstum möglich. „Es wird um die Null liegen“, sagte Wohlrabe. „Es könnte auch leicht negativ werden.“ Erst Anfang 2013 dürfte es wieder bergauf gehen. Auch das Bundesfinanzministerium erwartet im Winterhalbjahr eine „temporäre Konjunkturdelle“. Bereits im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,2 Prozent gestiegen, weil die Unternehmen weniger investierten.

Banken-Ökonomen bleiben deshalb ebenfalls vorsichtig. „Der Anstieg des Ifo-Indexes ist eine positive Überraschung, aber wir sehen darin noch keine Trendwende für die deutsche Wirtschaft“, sagte Christian Melzer von der DekaBank. „Es ist eine Stabilisierung.“ Ähnlich sieht das Commerzbank-Analyst Ralph Solveen: „Ein Anstieg ist noch kein Signal für einen Wendepunkt.“ Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone habe aber abgenommen. „Diese Furcht war ein massiver Bremsklotz für die Wirtschaft“, sagte Solveen.

Sichtbar wird das vor allem bei der Zurückhaltung der Unternehmen bei Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen. Sie sanken im dritten Quartal um 2,0 Prozent und damit seit einem Jahr ununterbrochen. Die Konsumfreude der Verbraucher, höhere Exporte und der von niedrigen Zinsen befeuerte Boom im Wohnungsbau hielten die Wirtschaft aber bislang auf Wachstumskurs.

Ein Dämpfer für die Konjunktur kam jedoch von Dienstleistern und Bauunternehmen: Der Ifo-Geschäftsklimaindikator für das Dienstleistungsgewerbe ging im November nochmals etwas zurück. Zwar schätzten die Dienstleister ihre aktuelle Geschäftslage unverändert gut ein, hieß es. Die weiteren Geschäftsaussichten seien jedoch etwas pessimistischer beurteilt worden. Am Freitag veröffentlichte Zahlen weisen auf eine schwächere Bauwirtschaft hin. Im September verbuchten die Betriebe preisbereinigt einen Auftragsrückgang von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dabei habe die Baunachfrage im Hochbau um 2,0 Prozent zugenommen, während sie im Tiefbau um 10,0 Prozent eingebrochen sei.

Verglichen mit anderen Euro-Ländern, steht Deutschland aber noch gut da. Die gesamte Euro-Zone schrumpfte in den Sommermonaten um 0,1 Prozent und steckt damit in einer Rezession fest. Wegen der harten Sparprogramme dürften wichtige deutsche Handelspartner wie Spanien und Italien auch 2013 im Krisenmodus verharren.