Honorarfrage

Insolvenzverwalter der Pleitebank Lehman wollen 800 Millionen

Im Insolvenzverfahren um die deutsche Tochter der Pleitebank Lehman ist heftiger Streit über das mögliche Honorar des Insolvenzverwalters entbrannt. Der Wirtschaftsanwalt Michael Frege und die hinter ihm stehende Kanzlei CMS Hasche Sigle könnten laut einem Gutachten am Verfahrensende eine Vergütung von bis zu 800 Millionen Euro kassieren, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete.

Das Gutachten hat Frege demnach selbst in Auftrag gegeben, um in der Diskussion mit US-amerikanischen Hedgefonds eine Grundlage zu haben. Der CMS-Managerpartner Hubertus Kolster sagte, diese hätten versucht, über die Honorarfrage Druck auf den Verwalter aufzubauen, und etwa eine vorrangige und beschleunigte Bedienung ihrer Forderungen verlangt. Man sei in der Honorarfrage zu äußerster Transparenz bereit. „Aber es gibt nichts zu verhandeln.“ Er rechne mit einer niedrigeren Gebühr am Verfahrensende.

Erfolgskomponente ist inbegriffen

Das Entgelt wird erst am Schluss des Verfahrens vom Amtsgericht Frankfurt festgelegt und richtet sich nach der Komplexität des Verfahrens und der Höhe der Insolvenzmasse.

Diese ist im Fall der Frankfurter Lehman Brothers Bankhaus AG inzwischen entgegen anfänglicher Erwartungen auf mehr als 15 Milliarden Euro angewachsen. Gläubiger sind vor allem die Deutsche Bundesbank und die Einlagensicherung der deutschen Privatbanken, deren Forderungen laut CMS voraussichtlich zu über 80 Prozent erfüllt werden. Üblich sind allerdings nur Quoten, die sich unterhalb von zehn Prozent bewegen.

Kolster sagte, bislang sei der Großkanzlei, die über vier Jahre rund 100 Anwälte und Insolvenzspezialisten bei der Lehman-Sache eingesetzt habe, ein Aufwand in Höhe von mehr als 210 Millionen Euro entstanden. Das Amtsgericht Frankfurt habe bislang 70 Millionen Euro Abschläge genehmigt, weshalb nunmehr bald weitere Vorschüsse beantragt werden müssten. Das Geld stehe zunächst der Societät zu. Welcher Anteil dann letztlich dem persönlich haftenden Verwalter Frege zufließt, wollte Kolster nicht näher beziffern. Natürlich aber sei eine Erfolgskomponente inbegriffen.