Schadenersatzansprüche

Gericht: Entschädigung pro Fluggast und nicht pro Koffer

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat die Schadenersatzansprüche von Familien und anderen Reisegruppen für verlorenes Fluggepäck verbessert. Nach einem am Donnerstag verkündeten Urteil besteht Anspruch auf Schadenersatz jeweils für den einzelnen Reisenden, auch wenn sich Gegenstände im Koffer eines Mitreisenden befanden oder wenn das eigene Gepäck von einem Mitreisenden aufgegeben wurde. Der Verlust von Fluggepäck ist im Abkommen von Montreal von 1999 geregelt. Danach haften die Fluggesellschaften in Höhe von bis zu 1000 sogenannten Sonderziehungsrechten, einer Kunstwährung des Internationalen Währungsfonds. 1000 Sonderziehungsrechte entsprechen derzeit rund 1190 Euro.

Im Streitfall hatte eine spanische Familie auf dem Flug mit Iberia von Barcelona nach Paris beide Koffer verloren. Die spanischen Gerichte wollten nun vom EuGH wissen, ob es eine Entschädigung nur jeweils für die Koffer der Eltern gibt – oder für jeden Reisenden. Nach dem Luxemburger Urteil besteht ein Schadenersatzanspruch für jeden Reisenden, auch wenn sich die eigenen Gegenstände im Gepäck eines Mitreisenden befanden. Nur so werde der von dem Abkommen angestrebte „gerechte Interessenausgleich“ erreicht. Im Ergebnis kann die Familie daher Schadenersatz von bis zu 4000 Sonderziehungsrechten bekommen.

Weltweit gehen täglich 90.000 Koffer im Flugverkehr verloren, in Europa sind es rund 10.000. Damit erreicht ein Prozent der Gepäckstücke nicht pünktlich seinen Besitzer am Zielort. In jedem zweiten Fall geht das Gepäck bei Anschlussflügen verloren. Nach Angaben des Luftverkehrsnetzwerkes Sita kamen 2011 weltweit knapp 26 Millionen Koffer nicht ordnungsgemäß ans Ziel. Allein bei der Lufthansa betrifft das jährlich rund 800.000 Gepäckstücke. Etwa 40.000 davon können auch nach intensiver Nachforschung keinem Fluggast zugeordnet werden und landen bei der Versteigerung.