Gesetze

Vererben ohne Fehler

Die Berliner Morgenpost hat die größten Irrtümer rund um ein Testament zusammengestellt – und klärt sie auf

Auf den ersten Blick scheint alles ganz einfach: Der Gesetzgeber hat mit der gesetzlichen Erbfolge vorgegeben, wer von wem wann erben soll. Wie so oft hinken gesetzliche Regelungen jedoch gesellschaftlicher Entwicklung und Vielfalt hinterher. Es wird aus diesem Grund immer unwahrscheinlicher, dass die gesetzliche Erbfolge auch wirklich dem Willen des Erblassers entspricht. Auch das stellt grundsätzlich kein Problem dar. Denn wer mit der gesetzlichen Erbfolge nicht zufrieden ist, kann in gewissem Rahmen von ihr abweichen.

Um aber überhaupt einschätzen zu können, ob die vom Gesetzgeber vorgegebene Linie passt oder nicht, muss man die Regeln kennen. Die Berliner Morgenpost hilft Ihnen, mit den verbreitetsten Irrtümern des Erbrechts abzuschließen.

Irrtum 1: Mein Ehemann erbt ohnehin alles, wenn ich sterbe

Es klingt naheliegend, dass der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner alles erbt. Doch ist der Gedanke in den meisten Konstellationen falsch. Zutreffend ist er nur, wenn keine Kinder oder nahestehende Verwandte im Spiel sind. Hat ein Paar zum Trauschein auch noch Kinder, so erbt der überlebende Partner nach dem gesetzlichen Muster die Hälfte des Vermögens. Auf die Kinder entfällt die andere Hälfte zu gleichen Teilen. „Es entsteht eine Erbengemeinschaft mit dem überlebenden Ehemann und den Kindern – ein Testament ist erforderlich, damit der Ehegatte Alleinerbe wird“, sagt Rechtsanwalt Matthias Rösler von der Sozietät Groll, Gross & Steiner in München. Eine Möglichkeit, den überlebenden Ehegatten oder auch Lebenspartner abzusichern, ist das sogenannte Berliner Testament. Es ist ein gemeinschaftliches Testament von Eheleuten oder Lebenspartnern, die sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und bestimmen, wem nach dem Tod des zuerst Verstorbenen der Nachlass zukommt.

Irrtum 2: Geschenke sind auf das Erbe anzurechnen

Lässt man den emotionalen Part außen vor, liegen „erben“ und „beschenkt werden“ eng beisammen. Rein rechtlich ist es jedoch ein großer Unterschied, ob man etwas geschenkt bekommt oder vom Erblasser als Erbe eingesetzt wird. „Lebzeitige Schenkungen werden grundsätzlich nicht auf ein Erbe angerechnet“, sagt Fachanwalt Rösler. Oft übertragen Eltern einem Kind vorzeitig Immobilien oder größere Geldmengen – auch im Willen, Steuern zu sparen. Wurde dabei ein Kind „bevorzugt“, kann das durch ein Testament wieder ausgeglichen werden. Rösler empfiehlt: „Eltern können in einem Testament geschenktes Geld beim Erbe anrechnen.“

Irrtum 3: Statt mein Erbe anzutreten, kann ich den Pflichtteil verlangen

Bereits bei kurzem Nachdenken lassen sich einige Konstellationen ersinnen, weshalb manch einer sein Erbe lieber nicht antreten möchte. Ein belastetes Haus oder auch hohe Schulden sind nur zwei von vielen Gründe, über das Ausschlagen einer Erbschaft nachzudenken. Eines sollte dabei aber klar sein: Statt – zusammen mit der lang entfremdeten Schwester – die Hälfte des Elternhauses in unbeliebter Vorstadtlage kann der Erbe nicht einfach so den Pflichtteil verlangen. „Eine unbelastete Erbschaft kann grundsätzlich nicht ausgeschlagen werden, um den Pflichtteil zu verlangen“, sagt Rösler. Grundsätzlich bedeutet bei Juristen jedoch stets, dass mindestens eine Abweichung von dieser Regel existiert. Rösler: „Eine Ausnahme liegt vor, wenn der Erbteil belastet ist. Eine weitere Ausnahme gilt für den überlebenden Ehegatten.“

Irrtum 4: Ein Testament wirkt sich auf die Lebenspolice aus

Bei einer Risikolebensversicherung wird oft der Partner als Begünstigter eingesetzt. Tritt ein neuer Partner ins Leben oder möchte man den alten schlicht nicht mehr berücksichtigen, reicht es nicht aus, das in einem Testament zu vermerken. „Die Lebensversicherung hält sich an die Versicherungsunterlagen“, sagt Rösler. „Schreiben Sie also an die Lebensversicherung, dass Ihr neuer Partner nun Begünstigter sein soll.“

Irrtum 5: Auf eine Vorabzahlung zu Lebzeiten aus dem Erbe besteht ein Anspruch

Es kann sinnvoll sein, seine Nachkommen bereits zu bedenken, wenn man noch lebt. Nicht nur, um sie durch Geldgeschenke gütlich zu stimmen. Eine Schenkung zu Lebzeiten auf das Erbe hat schon so manchen durch trockene Zeiten gerettet. Wer sich dazu entschließt, sollte das in Verbindung mit einem Pflichtteilsverzicht machen – andernfalls kann der Erbe im Erbfall ein zweites Mal Ansprüche erheben. Verlangen kann ein Voraberbe niemand. „Kinder haben keinen Anspruch, dass ihnen zu Lebzeiten ein Erbe ausgezahlt wird“, sagt Rösler. Erst mit dem Erbfall entstehen diese Ansprüche.

Irrtum 6: Uneheliche Kinder haben kein gesetzliches Anrecht auf Erbe

„Nicht eheliche Kinder sind ehelichen Kindern grundsätzlich gleichgestellt“, sagt Fachanwalt Rösler. Sie haben ein Anrecht auf Erbe oder Pflichtteil. Das gilt ebenfalls für Kinder, die durch Adoption die Stellung eigener Kinder erhalten haben. Überlebender Gatte und alle Kinder bilden nach dem Willen des Gesetzgebers eine Erbengemeinschaft. Wer das nicht möchte, muss es testieren.