Weltwirtschaft

Schattenbanken kontrollieren ein Viertel des globalen Geldkreislaufs

Sogenannte Schattenbanken wie Hedgefonds sind einer Studie zufolge so mächtig wie nie zuvor und halten mindestens ein Viertel des globalen Geldkreislaufs in ihrer Hand.

Laut einer in Basel vorgelegten Erhebung des Finanzstabilitätsrats (FSB) der G-20-Staaten bewegten Finanzinstitute, die weitgehend außerhalb der traditionellen Bankenaufsicht Kredite vergeben und oft riskante Geschäfte machen, im vergangenen Jahr rund 67 Billionen Dollar (53 Billionen Euro) im internationalen Finanzsystem. Das waren rund sechs Billionen Dollar mehr als bislang angenommen. Zudem machen die Schattenbanken aktuell auch mehr Umsatz als vor Beginn der globalen Finanzkrise von 2008 und 2009, für deren Entstehen ihnen eine Mitschuld gegeben wird. Demnach hatten die im Graubereich der Finanzwirtschaft tätigen Institute 2007 ein Geschäftsvolumen von 62 Billionen Dollar. 2002 waren es nach Angaben des FSB noch 26 Billionen Dollar.

Der Einfluss der Schattenbanken könnte nach Einschätzung der Bankenaufseher sogar noch größer sein, da es aus etlichen Ländern keine verlässlichen Daten zu Hedgefonds oder Finanzgesellschaften mit riskanten Geschäftsmodellen gebe. Der Rat, angesiedelt bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, verlangt daher eine stärkere Kontrolle und Regulierung der bankenähnlichen Institute.

Schattenbanken hätten beim Kreditgeschäft jenseits der Banken durchaus Vorteile, erklärte der FSB. Doch könnten ihre riskanten Geschäfte Finanzkrisen auslösen oder beschleunigen und die Stabilität des weltweiten Finanzsystems gefährden. Daher sei eine „angemessene Überwachung und Regulierung“ nötig, hieß es.

Das größte System von Schattenbanken haben laut dem FSB die USA. Dort umfasse der Sektor 23 Billionen Dollar und mache, wenn auch mit abnehmender Tendenz, 35 Prozent des gesamten Finanzsystems aus. Die Schattenbanken in der Euro-Zone kamen auf 22 Billionen Dollar. In Europa sind die Schattenbanken seit Längerem im Visier der EU-Kommission. Sie plant für Anfang 2013 unter Federführung von Binnenmarktkommissar Michel Barnier einen Gesetzesvorschlag. Barnier prüft beispielsweise, den Banken Grenzen für die Auslagerung von Geschäften in Schattenbanken zu setzen, den Aufsehern mehr Rechte zu geben oder ganz neue, speziell zugeschnittene Regeln aufzustellen.