Urteil

Kaum Chancen auf Schadenersatz für MLP-Aktionäre

Enttäuschte Aktionäre von MLP dürfen sich kaum noch Hoffnung auf Schadenersatz für den Kurssturz des Finanzmaklers vor mehr als zehn Jahren machen.

Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe stellte in einer am Montag bekannt gegebenen Entscheidung fest, dass der damalige Vorstandschef Bernhard Termühlen Umsätze und Gewinne von MLP nicht vorsätzlich zu hoch ausgewiesen habe. Die Kennzahlen seien von 1998 bis 2001 zwar falsch ausgewiesen worden. Die Vorschriften zur Verbuchung der Geschäfte seien damals aber nicht eindeutig gewesen. Außerdem seien die Abweichungen nicht so gravierend gewesen. Das Unternehmen sieht sich von dem Beschluss bestätigt. „Deshalb ist MLP unverändert davon überzeugt, dass die Klagen keine Aussichten auf Erfolg haben“, hieß es in einer Mitteilung.

Eine absichtliche Manipulation der Geschäftszahlen wäre aber die Voraussetzung dafür gewesen, dass mehr als 30 Kleinaktionäre von MLP und Termühlen hätten Schadenersatz fordern können. Der Rechtsstreit zieht sich seit mittlerweile fünf Jahren hin. Damals hatten die von der Kanzlei Rotter Rechtsanwälte vertretenen Aktionäre eine 30 Millionen Euro schwere Klage eingereicht. Das Landgericht Heidelberg hatte einen der Fälle in einem Musterverfahren herausgegriffen und 2008 die höhere Instanz angerufen, um die kritischen Fragen zu klären. Vier Jahre und mehrere Gutachten später liegt nun die Antwort des Oberlandesgerichts vor.

Die Bilanzierungspraxis des Finanzmaklers und Berichte eines Anlegermagazins darüber hatten im Mai 2002 einen Kurssturz der MLP-Aktie ausgelöst. Das mit Kursen von mehr als 100 Euro damals gerade in den Blue-Chip-Index Dax aufgestiegene Papier notierte am Montag knapp über fünf Euro und ist in den Kleinwerte-Index SDax abgestiegen.