Immobilien

Wer bekommt die Kulturbrauerei?

Der Bund verkauft 11.000 Wohnungen aus dem Treuhand-Erbe. Gewerbeimmobilien sollen schnell folgen

Nach dem Verkauf von tausenden Wohnungen aus dem Erbe der DDR-Treuhandgesellschaft wird ein schnelles Ende der Verhandlungen über die TLG-Gewerbeimmobilien erwartet. In dem größeren und lukrativeren Paket bündelt die bundeseigene Treuhandnachfolgerin Büro-, Hotel- oder Gewerbebauten im Wert von mehr als 1,7 Milliarden Euro. In Berlin gehören dazu unter anderem die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg, Bürohäuser in Mitte und Tiergarten und verschiedene Hotelbauten sowie Seniorenresidenzen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums befinden sich die Verhandlungen in der „finalen Phase“. Wie Branchenkreise berichten, sei der US-Finanzinvestor Lone Star der favorisierte Käufer.

Mit dem geplanten Verkauf der Gewerbeimmobilien wird die Bundesregierung die bundeseigene TLG privatisiert haben. Am Montag wurde der Verkauf von rund 11.350 TLG-Wohnungen in Ostdeutschland an den Hamburger Immobilienkonzern TAG bekannt gegeben. TAG zahlt für das Paket inklusive Schulden 471 Millionen Euro. Die TLG war 1991 als Treuhand Liegenschaftsgesellschaft gegründet worden, um nicht betriebsnotwendige Grundstücke von DDR-Betrieben zu vermarkten. Die TLG schreibt seit 2002 durchgängig zweistellige Millionengewinne. Das Finanzministerium hatte dennoch argumentiert, es bestehe kein „wichtiges Bundesinteresse“ im Sinne der Haushaltsordnung. Der Bund sei verpflichtet, sich von diesen Beteiligungen zu trennen.

Der Hamburger Wohnungskäufer TAG wiederum ist seit Jahren auf Expansionskurs. Mit der TLG verwaltet er nun bundesweit rund 70.000 Wohnungen und ist endgültig in die Liga der größten börsennotierten Wohnungsgesellschaften in Deutschland – neben den Berliner Wohnungskonzernen Deutsche Wohnen und GSW – aufgestiegen. „Der Deal zeigt, dass es auch im aktuellen Marktumfeld möglich ist, profitabel zu wachsen“, erklärte Vorstandschef Rolf Elgeti. Der Zukauf werde das operative Ergebnis der TAG weiter ankurbeln, denn die Wohnungen seien alle sehr gut vermietet, der Leerstand sei niedrig.

Mieterschutz vereinbart

Die Mehrzahl der Wohnungen befindet sich in Rostock und Dresden. In Brandenburg gehören der TLG rund 2300 Wohnungen, vor allem in Strausberg (knapp 1000), Senftenberg (rund 650) und Potsdam/Stahnsdorf (200). Am TLG-Sitz in Berlin sind es noch 55 Wohnungen.

Für den Bund ist es bereits der zweite Anlauf zur Privatisierung der TLG-Immobilien – ein erster war 2008 wegen der Finanzkrise gescheitert. Dieses Jahr wechselten hierzulande schon etliche große Pakete den Besitzer, das Interesse in- und ausländischer Investoren an Immobilienanlagen in Deutschland ist hoch. Von der Marktbelebung wollte auch der Bund profitieren – und lockte mit der TLG etliche Finanzinvestoren an. Doch gerade der Verkauf von Wohnungen an Beteiligungsgesellschaften – die den übernommenen Firmen oft hohe Schulden aufbürden und daher auch als „Heuschrecken“ gebrandmarkt werden – ist in Deutschland umstritten.

Mit dem Verkauf an die TAG umschiffte die Bundesregierung dieses Problem. Nach Angaben des Finanzministeriums sollen alle bestehenden Mietverträge unverändert übernommen werden, Bestandsmieter erhielten fünf Jahre Schutz vor Kündigungen wegen Eigenbedarfs und wegen Hinderung an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung. Hinzu kämen zehn Jahre Schutz vor Mieterhöhungen wegen Luxussanierung. Ältere und schwerbehinderte Bestandsmieter erhielten lebenslanges Wohnrecht.