Online-Shopping

Was beim Einkauf im Internet wichtig ist

Gerade bei Bestellungen jenseits deutscher Grenzen kommt es auf das Kleingedruckte an

Gedränge in den Läden und lange Schlangen vor der Kasse wollen sich gerade vor Weihnachten viele Leute nicht antun. Stattdessen gehen sie lieber im Internet shoppen. Hier sind die Produkte zum einen meist günstiger als im Geschäft – besonders bei ausländischen Händlern. Außerdem lassen sich so beispielsweise auch ein besonderer Wein aus Spanien oder Designermode aus den USA besorgen, die es in Deutschland nicht gibt.

Doch ist die Bestellung plötzlich teurer, kommt die Ware zu spät oder am Ende gar nicht, ist das Geld weg und der Verkäufer nicht erreichbar, wird die Sache unangenehm. Bei Problemen und kleinem Bestellwert lohnt es in der Regel nicht, einen Anwalt einzuschalten. Deshalb sollten Käufer einige Hinweise beachten, ihre Rechte und Vorschriften zu Versand und Zoll gerade im Ausland gut kennen.

Erste Frage vor dem Kauf: Welchem Internet-Shop kann ich vertrauen? Ein Anhaltspunkt kann das Impressum sein. Darin sollten immer Name und Anschrift des Händlers stehen. Im Streitfall ist es für den Käufer wichtig, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Juristen sprechen von einem klagefähigen Impressum. Damit meinen sie, einen Adressaten, gegen den man bei Problemen vor Gericht ziehen kann.

Seriöse Online-Shops sind zudem mit Gütesiegeln ausgezeichnet. Der gemeinnützige Verein Initiative D21 empfiehlt auf die Logos Trusted Shops, S@fer-Shopping vom TÜV Süd, internet privacy standards und Geprüfter Online-Shop vom EHI Retail Institute zu achten. Bei US-Shops kann die Website der nationalen Verbraucherorganisation Better Business Bureau (BBB) helfen. Hier sind mehr als 370.000 US-Firmen aufgelistet, die auch ein BBB-Siegel besitzen. Ein Klick auf das Logo führt zu den Ergebnissen der aktuellen Qualitätsprüfung.

Auch Bewertungsportale können helfen, vor allem wenn der Anbieter außerhalb Europas sitzt. „Man sollte sich dabei immer viele verschiedene Bewertungen auf unterschiedlichen Portalen ansehen und auf Aktualität achten“, sagt E-Commerce-Experte Felix Braun vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland.

Kritisch wird es häufig bei der Bezahlung. Gerade außerhalb Deutschlands ist die Kreditkarte beliebtes Zahlmittel. Das Gute für deutsche Käufer: Sie können eine unberechtigte Buchung in der Regel innerhalb von sechs Wochen zurückbuchen lassen. „Zur Sicherheit sollte man sich bei seiner Bank erkundigen, ob dies bei der eigenen Kreditkarte möglich ist“, so Braun. Er rät außerdem, eine Karte nur fürs Online-Shopping anzuschaffen. Denn viele fürchteten, ihre Kartendaten könnten von Hackern abgegriffen werden. „Eine Extrakarte mit einem niedrigen, festen Abbuchungslimit bietet hier mehr Sicherheit.“

Auch der Bezahldienst PayPal gilt als sicher. Diesen nutzen vor allem kleinere Händler, auch in den USA. Der Dienst verspricht, dem Käufer sein Geld zu erstatten, wenn eine bezahlte Ware nicht geliefert wurde. Dieser Käuferschutz gilt allerdings nur 45 Tage. Eher Abzuraten sei dagegen von Direktgeldtransfers wie Western Union und MoneyGram, sagt Braun. Die Anbieter selbst seien meist zwar seriös. „Aber hier ist es sehr schwer, wieder an sein Geld heranzukommen, weil der Empfänger des Geldes leichter abtauchen kann.“

Böse Überraschungen gibt es teilweise auch beim Rechnungspreis. Plötzlich ist deutlich mehr zu zahlen, obwohl die Jeans aus dem US-Shop nur knapp 80 Euro kostet. Versand- und Zollkosten sind meist daran schuld. Bei amerikanischen Anbietern empfiehlt das Better Business Bureau dazu immer die „Terms of scale“ zu lesen. In Deutschland sind Onlinehändler seit 1. August zu einer „Button-Lösung“ verpflichtet. Demnach müssen sie Käufer vor der endgültigen Bestellung detailliert über alle Kosten informieren. Diese Regel soll laut einer EU-Verbraucherrichtlinie in allen Mitgliedsländern umgesetzt werden.

Zollkosten fallen in erster Linie bei Lieferung aus einem Nicht-EU-Land an. Frei von allen Abgaben sind in der Regel Sendungen bis zu einem Warenwert inklusive ausländischer Umsatzsteuer von 22 Euro. Bestellungen deshalb auf einzelne Lieferungen aufzuteilen bringt nichts. „Die Zoll-Prüfung kann ergeben, dass mehrere Päckchen zollrechtlich als eine Sendung gelten“, heißt es beim Hauptzollamt Berlin. Damit ist die Freigrenze automatisch überschritten. Liegt der Wert zwischen 22 und 150 Euro, fällt zwar noch kein Zollpreis, aber die Einfuhrumsatzsteuer an. Besondere Vorschriften gelten bei alkoholischen Erzeugnissen, Parfüms und Toilettenwasser, Tabakwaren und Kaffee.

Was jedoch tun, wenn die bestellte Ware fehlerhaft ist? „In Europa hat ein Verbraucher immer das Recht auf Gewährleistung, auch wenn dies nicht in den AGB steht“, sagt Verbraucherschützer Braun. Damit können Käufer eine kaputte Ware innerhalb der ersten sechs Monate nach Erhalt kostenfrei reparieren lassen oder Ersatz einfordern. „Das Recht auf Gewährleistung gibt es in den USA auch“, sagt Rechtsanwalt Sören Siebert, der zum Thema die Website eRecht24.de betreibt. Zum Teil können bei der Rücksendung hier aber noch Transportkosten für den Käufer entstehen, heißt es von der Verbraucherorganisation BBB. Informationen dazu gebe die „retail policy“ des Anbieters.

Wer seine Bestellung zurückschicken will, weil sie nicht gefällt, hat in Europa ein gesetzliches Widerrufsrecht. Allerdings mit unterschiedlichen Fristen: In Deutschland hat man 14 Tage Zeit für den Rückversand, in Frankreich und England beispielsweise nur sieben Tage. Laut Verbraucherrechtlern sollte man sich an diese Vorgaben halten, um keinen unnötigen Ärger einzugehen.

Andererseits: „Wenn eine EU-Website den Anschein macht, dass sie sich an deutsche Kunden wendet, kann sich der auch auf das deutsche Verbraucherrecht berufen“, so Braun. Sprich auf die 14 statt sieben Tage Widerrufsfrist. Dafür reiche es schon, wenn die Seite in deutscher Sprache verfasst sei. Ausgeschlossen vom Widerrufsrecht sind nur Waren, die speziell auf Kundenwunsch angefertigt wurden. Rücksendungen brauchen dabei hierzulande keine originale Verpackung. „So eine Vorschrift ist in Deutschland unzulässig“, sagt Siebert. Ein Verkäufer dürfe die Rücknahme nicht ablehnen, wenn die Verpackung etwa ein Schuhkarton sei.

Wer Probleme mit einem Onlinehändler in Europa hat, kann sich an das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (eu-verbraucher.de) wenden. Die Verbraucherschützer nehmen dann Kontakt zu den Anbietern auf und versuchen, die Angelegenheit außergerichtlich zu lösen. Für Beschwerden in den USA ist die Verbraucherorganisation BBB zuständig.