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Calgon-Hersteller überbietet Bayer in den USA

Auch Reckitt Benckiser will Vitaminhersteller schlucken

Der britische Konsumgüterriese Reckitt Benckiser durchkreuzt die Übernahmepläne von Bayer in den USA. Reckitt kündigte ein Gegenangebot für den US-Vitaminhersteller Schiff Nutrition an und will Bayer damit ausstechen. Bayer-Chef Marijn Dekkers hatte im Oktober eine mit dem Management von Schiff abgestimmte Offerte über 1,2 Milliarden Dollar (rund 940 Millionen Euro) vorgelegt und war fest überzeugt, das Geschäft bis Ende des Jahres abzuwickeln. Doch jetzt scheint wieder alles offen. Die Briten wollen 1,4 Milliarden Dollar bieten. Sollte sich Deutschlands größter Pharmakonzern auf einen Bieterkampf einlassen, müsste er vermutlich mehr zahlen. Bayer wollte sich dazu nicht äußern. Gemäß der Vereinbarung mit Bayer kann Schiff noch alle Gegenofferten anderer Interessenten prüfen, die bis zum 28. November hereinkommen.

Der Vitaminhersteller sei eine ideale Ergänzung zu Reckitts neuen strategischen Schwerpunkten im Gesundheits- und Hygienegeschäft, sagte Konzern-Chef Rakesh Kapoor. Finanzexperten zufolge ist das Angebot der Briten vor allem markengetrieben. Schiff produziert mit etwa 400 Beschäftigten Vitamine und Präparate zur Stärkung der Gelenke und des Immunsystems. Dazu zählen MegaRed-Krillöl-Kapseln, die das Herz-Kreislauf-System stützen sollen, und Move-Free-Tabletten, die die Gelenkfunktionen verbessern sollen. Reckitt ist für seine Haushaltsreiniger, Wasch- und Pflegemittel bekannt. Dazu gehören Marken wie Calgon-Entkalker, Kukident-Zahnprothesenreiniger oder Durex-Kondome. Mit Schiff würde der britische Konzern mit einem Schlag groß ins Geschäft mit Vitaminpräparaten in den USA einsteigen.

Der Weltmarkt für Vitamine, Mineralien und Nahrungsergänzungsmittel hat derzeit ein Volumen von rund 30 Milliarden Dollar. Der Gesamtmarkt für frei verkäufliche Gesundheitspräparate ist etwa 90 Milliarden Dollar groß. Bayer setzte im vergangenen Jahr in seiner Sparte Consumer Care, zu der unter anderem Aspirin, Alka Seltzer und das Magenmittel Rennie gehören, 3,5 Milliarden Euro um. Mit dem Zukauf wollen die Leverkusener ihre Position gegenüber Rivalen wie dem US-Konzern Johnson & Johnson und der britischen GlaxoSmithKline stärken.