Konjunktur

Euro-Zone rutscht in Rezession

Wirtschaft der Bundesrepublik legt im dritten Quartal gerade noch zu. In Griechenland wird der deutsche Konsul angegriffen

Jetzt hat die Wirtschaftskrise auch Deutschland erreicht. Im dritten Quartal legte die Wirtschaftsleistung nur noch um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt meldete, ein schwacher Wert. Damit gehört Deutschland aber zu den wenigen Volkswirtschaften in der Euro-Zone, die immer noch wachsen. Insgesamt schrumpfte die Wirtschaft des Währungsraums im dritten Quartal um 0,1 Prozent und rutschte damit in die Rezession. Bereits im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent gesunken. Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn eine Volkswirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.

Jedoch verliert auch die Wirtschaft hierzulande seit Monaten an Kraft: Im ersten Quartal wuchs sie noch um ein halbes Prozent, im zweiten nur noch um 0,3 Prozent, jetzt um 0,2 Prozent. Dieser Trend dürfte sich bis zum Jahresende fortsetzen, denn die negativen Signale haben sich zuletzt gehäuft: Die Stimmung in den Unternehmen ist so schlecht wie seit einem halben Jahr nicht mehr, viele Firmen meldeten bereits vorsorglich Kurzarbeit an. „Das war bis auf Weiteres wohl die letzte halbwegs solide Quartalszahl aus Deutschland“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Ihm bereitet Sorge, dass die Bestellungen der Industrie bereits seit einem Jahr nach unten zeigen. Zuletzt waren die Aufträge besonders stark zurückgegangen. Weil die Orderbücher der Unternehmen nicht mehr so prall gefüllt sind wie noch zu Beginn des Jahres, wird sich der Einbruch schon bald auf die Produktion auswirken.

Ob die Wirtschaft aber tatsächlich schrumpfen wird, darüber sind sich Ökonomen nicht einig. „Dem erfreulichen Wachstum im dritten Quartal wird eine Schrumpfung im vierten folgen“, sagt Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Dekabank. Die Bundesbank hingegen erwartet, dass die Wirtschaft im laufenden vierten Quartal nur stagnieren wird. Noch hat das Statistische Bundesamt nicht genügend Daten, um berechnen zu können, woher das Wachstum im vergangenen Quartal kam, aber erste Indizien gibt es: Vor allem das Geschäft mit dem Ausland, die Kauflaune der Verbraucher und ein ausgabenfreudiger Staat haben in den vergangenen Monaten das Wachstum getrieben. Die Unternehmen hingegen haben weniger Geld ausgegeben: Angesichts der unsicheren Lage in der Euro-Zone halten die Manager sich bei Investitionen in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge zurück. Die Investitionen in Gebäude legten dagegen zu.

Krisenländer tief im Minus

In der Euro-Zone steht Deutschland vergleichsweise gut da. Das geringe Minus des Währungsraums insgesamt verdeckt die enormen Unterschiede. Besonders die Peripherie fällt weiter zurück. In Portugal beispielsweise sank die Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent. Auch Spanien und Italien verharren in der Rezession, allerdings fiel in beiden Volkswirtschaften der Rückgang weniger stark aus. Wie dramatisch die Situation in den Krisenländern ist, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr: In Griechenland ist die Wirtschaft im dritten Quartal um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft; in Portugal liegt das Jahresminus bei 3,4 Prozent.

Die Stimmung im schwer angeschlagenen Griechenland ist ohnehin gereizt angesichts der Sparzwänge, die die Geldgeber dem klammen Land auferlegt haben. Immer wieder wird gestreikt, und es wird handgreiflich. So stürmten Dutzende griechische Demonstranten eine Bürgermeisterkonferenz mit deutschen Teilnehmern in Thessaloniki. Während einer Rangelei übergossen sie den deutschen Generalkonsul in der Stadt mit Kaffee. Der Protest richtete sich gegen die Anwesenheit des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesarbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU), der deutscher Sondergesandter für Griechenland ist. Leidtragender der Handgreiflichkeiten war Generalkonsul Wolfgang Hoelscher-Obermaier.

Eine überraschend positive Nachricht kam aus Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone: Nach ersten Berechnungen legte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal leicht um 0,2 Prozent zu. Im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung noch geschrumpft, nachdem sie ein halbes Jahr stagniert hatte.